Jobs für Historiker*innen
Es gibt viele Berufe, die mit Geschichte zu tun haben. Wo Historiker*innen Jobs finden, ist abhängig vom Bereich. Wir stellen sieben Branchen für Jobs für Historiker*innen vor.
Text: Stefanie Schweizer
Fachkräfte der Geschichtswissenschaft bringen viel mit – vor allem haben sie meist ein ausgeprägtes Verständnis für Zusammenhänge verschiedener Geschehnisse über größere Zeitabschnitte hinweg. Perfekt für die Arbeit an der Hochschule! Aber wo können Historiker*innen außerdem arbeiten?
Berufe in Museum und Ausstellung
Historiker*innen, die Museen und Ausstellungen als Berufsfeld wählen, arbeiten in der Konzeption und Betreuung von Sammlungen, entwickeln Ausstellungstexte, führen Vermittlungsprogramme durch und betreuen Leihgaben. Besonders gefragt sind dabei ein Masterabschluss und häufig ein Volontariat, das als formaler Einstieg gilt.
Wer sich auf digitale Vermittlung spezialisiert, profitiert von den aktuellen Entwicklungen im Bereich der Online-Ausstellungen und Datenbankpflege. Auch organisatorische Fähigkeiten und Projektmanagementkompetenz sind entscheidend. Der Museumsbereich ist eher für jene geeignet, die bereit sind, die formalen Zugangsvoraussetzungen zu erfüllen, der Quereinstieg ist hier bisher selten.
Jobs mit Geschichte: Historiker*innen in Archiven
Im Archiv beschäftigen sich Historiker*innen mit der Erschließung, Bewertung und Pflege historischer Bestände, der Beratung von Nutzer*innen sowie der Digitalisierung von Dokumenten. Die Tätigkeit erfordert meist zusätzliche Qualifikationen in Archivwissenschaft oder eine Laufbahnausbildung im öffentlichen Dienst.
Die Nachfrage nach IT-affinen Historiker*innen steigt, weil etwa digitale Langzeitarchivierung und KI-gestützte Auswertungen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Wer sich für diese Arbeit entscheidet, verbindet traditionelles Quellenstudium mit modernen Anforderungen. Auch hier ist Quereinstieg nur in Ausnahmefällen möglich, da die fachlichen Standards streng geregelt sind.
Jobs für Historiker*innen: Hochschule
Der Klassiker – für Generalist*innen und damit auch für Fachkräfte der Geschichtswissenschaft. Wer an Hochschulen und Forschungseinrichtungen arbeitet, forscht, lehrt und koordiniert Drittmittelprojekte. Für diese Aufgaben ist in der Regel ein Masterabschluss erforderlich. Soll es die Karriereleiter weiter nach oben gehen, kommt man um eine Promotion nicht herum.
Neben fachlicher Expertise werden organisatorische Fähigkeiten und Erfahrungen in der Projektarbeit erwartet. Der Arbeitsmarkt ist stark geprägt von befristeten Stellen, unbefristete Jobs sind selten. Gleichzeitig eröffnen sich für Fachkräfte an der Hochschule neue Rollen im Wissenschaftsmanagement, in denen Historiker*innen Forschungsprojekte auf Verwaltungsebene organisieren und internationale Kooperationen koordinieren. Obwohl Wissenschaftsmanager*innen an der Hochschule angestellt sind, sind sie nicht direkt in die Forschung eingebunden.
Historiker*innen in der Medienbranche
Journalismus, Redaktion und Lektorat sind typische Tätigkeiten für Historiker*innen außerhalb der klassischen Institutionen. Sie recherchieren historische Themen, schreiben Artikel, Fachbeiträge oder betreuen Dokumentationen und Online-Formate. Auch KI-Kompetenzen prägen die Verlagsarbeit zunehmend.
Der Einstieg erfolgt meist über ein Volontariat oder Praktika. Allerdings zeigen sich Journalismus und die Medienbranche offen gegenüber Quereinsteiger*innen und Fachkräften, die sich das Wissen über redaktionelle Abläufe beispielsweise über eine freie Mitarbeit erworben haben.
Exzellente Schreibkompetenz und Recherchefähigkeit sind Kern dieses Arbeitsfeldes. Ein Blick in die Stellenausschreibungen zeigt aber auch, dass Historiker*innen mit Interesse an diesem Feld nicht unbedingt nur nach dem Schlagwort „Geschichte“ suchen sollten. Sie fallen hierbei oft unter „geisteswissenschaftliches Studium“ oder ähnliche Angaben.
Historiker*innen in Politik, Stiftungen und Verbänden
In diesem Berufsfeld erstellen Historiker*innen Analysen, Hintergrundpapiere und Dossiers für Ministerien, NGOs, Stiftungen oder politische Bildungszentren. Sie organisieren Veranstaltungen, beraten Entscheidungsträger*innen und vermitteln Wissen zu den Schwerpunkten ihrer Arbeitgeber*innen. Im Bereich der Erinnerungskultur arbeiten Historiker*innen wahrscheinlich am engsten am Kern ihres Studienfeldes.
In diesem Bereich können Fachkräfte auch mit einem Bachelorabschluss einen Einstieg finden, da oftmals mehr auf praktische Fähigkeiten und Hands-on-Mentalität gesetzt wird als auf den nächsten akademischen Grad. Insofern punkten Bewerber*innen, die berufsnahe Erfahrung durch Praktika, Traineeprogramme und eben vorherige Anstellungen vorweisen können. Historisches Wissen ist hier besonders wertvoll, um aktuelle Entwicklungen in einen größeren Kontext einzuordnen. Dieses Feld bietet Historiker*innen gute Chancen für einen Quereinstieg, da weniger formale Karrierewege bestehen.
Jobs für Historiker*innen neu: Wirtschaft
Unternehmen und Agenturen setzen Historiker*innen ein, um die Unternehmensgeschichte, Markenstorys, Jubiläen oder anderweitige Geschehnisse mit historischem Bezug aufzubereiten. So suchte zum Beispiel die Exploserv Fachplanung GmbH eine*n Historiker*in mit „Interesse an der Geschichte des 20. Jahrhunderts – insbesondere dem Zweiten Weltkrieg – zur Unterstützung bei der Recherche und Dokumentation historischer Kriegsgeschehnisse.“ Zur Einordnung: Die Firma ist im Bereich der Kampfmittelvorerkundung und -räumung tätig. Die Erbenermittlung ist ein weiteres Berufsfeld, in dem historische Fachkenntnisse von Nutzen sein können.
Die Tätigkeiten reichen von Textarbeit über Konzeption von Kommunikationskampagnen bis zur Organisation von Veranstaltungen. Zusatzqualifikationen in PR, Marketing oder Corporate Communication sind hilfreich, aber nicht zwingend. Quereinsteiger*innen mit starker Text- und Analysekompetenz haben hier sehr gute Chancen. Die Arbeit verbindet historisches Denken mit wirtschaftlicher und strategischer Perspektive. Ein besonderer Pluspunkt: Wer in diesen Bereichen arbeitet, eignet sich ökonomisches und marketingspezifisches Wissen an – was die eigene Attraktivität für den Arbeitsmarkt steigern kann.
Historiker*innen im Kulturmanagement
In Kulturprojekten, bei Festivals oder Stiftungen entwickeln Historiker*innen Konzepte, koordinieren Fördermittel, verwalten Budgets und arbeiten mit nationalen und internationalen Partner*innen zusammen. Wirtschaftliches Denken, Organisationstalent, Kreativität und Projektmanagementfähigkeiten sind entscheidend. Wer in diesem Bereich erfolgreich sein möchte, sollte strukturiert, selbstsicher und kommunikativ arbeiten.
Bewerber*innen mit Interesse sollten sich auch in diesem Bereich bei der Stellensuche nicht allzu sehr am Wort „Geschichte“ aufhängen. Jobtitel umfassen oftmals Schlagworte wie: Projektleitung, Kreative Leitung, Sachbearbeiter*in, Projektmitarbeiter*in oder auch einfach nur „Mitarbeiter*in für XY“.
Berufe mit Geschichte
Die Geschichtswissenschaft eröffnet vielfältige Wege: Klassische Felder wie Museen, Archive oder Forschung bestehen weiterhin, doch Politik, Medien, PR und Kulturmanagement bieten neue Chancen.
Entscheidend ist, neben der fachlichen Qualifikation Zusatzkenntnisse zu erwerben und bereit zu sein, sich über traditionelle Berufsbilder hinaus zu orientieren. Historisches Denken, Analysefähigkeit und kommunikative Kompetenz machen Historiker*innen zu gefragten Fachkräften auf einem dynamischen Arbeitsmarkt.
