Eine Frau sitzt vor mehreren Bildschirmen vor einem Computerspiel. Das Bild ist KI-generiert.
Die Gamesbranche bietet unterschiedliche Jobmöglichkeiten für Generalist*innen. Bild: © Leonardo.Ai/KI-generiert

Jobs in der Games-Branche

Wer nicht nur selbst zocken will, dem bietet die Welt des Gaming vielfältige Berufsperspektiven. Vor allem für Fachkräfte aus den Medien-, Literatur-, Kommunikations- und Sozialwissenschaften und Psychologie können sich hier Türen öffnen.

Text: Janna Degener-Storr

Ob Minecraft, League of Legends oder Super Mario, ob auf dem Handy, der Konsole oder auf dem Computer – die Welt der Videospiele ist vielfältig. Zur Zielgruppe zählen neben Kindern und Jugendlichen auch Erwachsene in jedem Alter. Frauen spielen ebenso wie Männer. Und digitale Spiele aus Deutschland lassen sich nicht nur hierzulande, sondern in vielen Teilen der Welt per Klick verkaufen. Die Spieler*innen sitzen nicht nur allein vor ihren Endgeräten, sondern tauschen sich in Communitys aus – untereinander und mit den Entwickler*innen. Der Wettkampf zwischen Computerspieler*innen wird als E-Sport bezeichnet und dessen Förderung ist ab 2026 sogar als gemeinnützig anerkannt, etwa in einem Sportverein.

Der Markt ist also breit gefächert und dementsprechend gibt es viele Berufsfelder in der Branche – auch für Generalist*innen. Bei der Entwicklung neuer Spiele arbeiten häufig Teams zusammen. Neben Informatiker*innen, die sich um die Programmierung kümmern, und den Designer*innen sind weitere Fachkräfte beteiligt: Diese entwickeln beispielsweise die Storys, analysieren die optimale Führung der Spieler*innen, vermarkten das Produkt oder betreuen die Community.

Games-Branche: Quereinstieg möglich

In den verschiedenen Feldern dieses vergleichsweise jungen Arbeitsmarktes sind auch Quereinsteiger*innen tätig, wie der Geschäftsführer des Verbands der deutschen Games-Branche, Felix Falk, erklärt: „Auch die Games-Branche ist wie viele andere Technologie-Bereiche vom Mangel insbesondere an erfahrenen Fachkräften betroffen. Besonders häufig werden Fachkräfte in Bereichen wie Programmierung, aber auch mit noch spezifischeren Jobprofilen wie in Game Producing oder Game Design gesucht. Daher ist die Branche offen für Talente mit vielfältigen Fachkompetenzen.“ Der Experte ergänzt: „Die gute Nachricht für alle Interessierten ist: Wenn man, neben der Kompetenz im eigenen Fachbereich, auch Leidenschaft für Games mitbringt, ist ein Quereinstieg möglich.“ Geisteswissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Abschlüsse öffnen dem Experten zufolge Türen in Bereiche wie Narrative Design, Community-Management, Marketing oder Game User Research.


Jennifer Pankratz, Game-Designerin bei Pithead Studio, ist ein gelungenes Beispiel für einen Quereinstieg. Auf der Plattform Presseportal berichtete sie vor einigen Jahren davon: Die gelernte Sozialarbeiterin mit Erfahrung im Justizvollzug und Jugendamt war über die Freundschaft mit den Gründern eines Games-Studios in die Branche gekommen. Sie habe zunächst in der Freizeit Spiele auf Fehler getestet, später auch erste kleine Storys geschrieben und schließlich ihren ursprünglichen Beruf aufgegeben. Als Game-Designerin im Story-Bereich habe sie im Team Quests entwickelt, Charaktere gestaltet und Dialoge geschrieben, während sie die technische Umsetzung den Programmierern und Grafikern überließ. Ihrer Erfahrung nach musste sie zwar die grundlegende Funktionsweise des Spiels verstehen, aber weder eine Programmiersprache beherrschen noch Code lesen müssen.

Jobs in der Games-Branche: gefragte Fachrichtungen

Welche Fachrichtungen sind nun konkret gefragt, wenn man nicht aus dem Design oder der Programmierung kommt, und für welche Tätigkeiten? Der Branchenverband listet die Einsatzfelder auf seiner Website auf. Für Generalist*innen interessant sind beispielsweise:

  • Game Producing
  • Product Management
  • Level/Content Design
  • Localisation Management
  • Narrative Design
  • Community Management
  • Game Analysis
  • Game User Research

Im Game Producing sind unter anderem Medienwissenschaftler*innen als Projektmanager*innen tätig. Sie koordinieren alle Beteiligten und behalten den Überblick über Zeit, Budget und Qualität. Fachkräfte aus den Medien- oder Kommunikationswissenschaften fühlen sich darüber hinaus möglicherweise im Produktmanagement wohl. Produktmanager*innen sind an der Schnittstelle zwischen Entwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb tätig und definieren die geschäftlichen Ziele, die mit den Spielen erreicht werden sollen.

Mehr auf die inhaltliche Ebene geht das Level oder Content Design. Level Designer*innen gestalten die digitalen Welten, in denen sich die Spieler*innen bewegen. Dafür müssen sie unter anderem kreativ sein und räumlich denken können, aber auch das Game Design und die Führung der Spieler*innen verstehen. Ebenfalls ein Feld beispielsweise für Medienwissenschaftler*innen.

Im Narrative Design werden die Geschichten für die Spiele entwickelt, die sehr umfangreich sein können, aber mit den Spielmechaniken vereinbar sein müssen. Eine spannende Aufgabe unter anderem für Fachkräfte aus Journalismus, Medien-, Literatur- oder Theaterwissenschaften. Diese Fachkräfte – wie auch aus den Bereichen Übersetzen und Dolmetschen – können außerdem im Localisation Management tätig werden. Localisation Manager*innen sorgen dafür, dass Spielinhalte und -story international in ihrer Bedeutung gleichbleibend sind und verstanden werden.

Community-Manager*innen dagegen stehen in direktem Kontakt mit den Spieler*innen. Sie sind zuständig für das grundlegende Aufbauen, das Wachstum und die Betreuung von Gaming Communities. Hier sind zum Beispiel Fachkräfte aus Journalismus, Kommunikations- oder Medienwissenschaften gefragt.

Psychologie und Statistik für die Gameentwicklung

Wer Psychologie studiert hat, findet Einsatzfelder in der Games-Nutzerforschung: „Hier werden verschiedene sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden angewendet, um zu testen, ob Story und Spielinhalte bei den Spielerinnen und Spielern gut verständlich sind oder auch, ob der Spaßfaktor ausreichend ist“, erklärt Felix Falk vom Verband der deutschen Games-Branche. Hilfreich dafür seien Wissen und Praxiserfahrung hinsichtlich quantitativer und qualitativer Forschungsmethoden, Grundkenntnisse in Statistik, Kreativität, Verständnis von Game Design und Spieler*innenführung, Kommunikations- und Teamfähigkeit.

Im Bereich Game Analysis sammeln Psycholog*innen und Fachkräfte, die fit in Statistik sind, Daten und analysieren diese für die Spieleentwicklung, Marketingstrategie und Budgetplanung.

Kompetenzen in der Games-Branche

So unterschiedlich die verschiedenen Tätigkeitsfelder sind, gewisse Voraussetzungen bringen alle Berufe in der Branche mit sich. Felix Falk erläutert: „Neben dem Studien- beziehungsweise Ausbildungsabschluss in einem Fachbereich ist vor allem ein gutes Verständnis für Games und die Games-Kultur entscheidend.“ Des Weiteren ergänzt er: „Gefragt sind außerdem Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere Englisch, denn Games werden häufig in internationalen Teams entwickelt und global vermarktet. Dabei sind auch interkulturelle Kompetenz und Teamfähigkeit branchenübergreifend elementar.“

Das Spektrum der Arbeitgeber*innen ist breit, sagt Felix Falk: „Es reicht von internationalen Publishern und Entwicklerstudios über Dienstleistungs-Unternehmen bis hin zu Agenturen, Medien und Bildungseinrichtungen.“ Am deutschen Games-Standort gebe es vor allem kleine und mittelständische Games-Unternehmen: „Aktuell publishen und entwickeln hier 956 Games-Unternehmen, die rund 12.200 Mitarbeitende beschäftigen.“ Anders als in vielen anderen Bereichen der Kultur- und Kreativwirtschaft beschäftigen Games-Unternehmen laut dem Experten übrigens mehrheitlich sozialversicherungspflichtige Festangestellte. Jobs für Gaming-Expert*innen gibt es darüber hinaus auch im Fachjournalismus, an Hochschulen und in der Politik beziehungsweise Lobbyarbeit.

„Praktika im Games-Bereich sind nach wie vor der häufigste Einstiegsweg. Aber auch Netzwerk-Veranstaltungen und Orte des Austausches zu Games sind ein guter Start, um erste Kontakte zu knüpfen und sich über Karrierewege zu informieren: Etwa auf der gamescom, dem weltweit größten Games-Event, das jährlich in Köln stattfindet und beste Voraussetzungen bietet, um sich einen Überblick über die vielfältige Games-Welt auch im beruflichen Kontext zu verschaffen,“ erklärt Felix Falk. Ein weiterer Tipp des Geschäftsführers: „Erste eigene Projekte wie Spieleprototypen, kreative Arbeitsproben oder Community-Engagement im Games-Bereich können beim Einstieg in die Branche ebenfalls von Vorteil sein.“

Weitere Informationen

E-Sport-Bund Deutschland e.V.

game – Verband der deutschen Games-Branche e.V.

Überblick über Berufe und Einstieg in die Games-Branche

Unternehmen der Games-Branche in Deutschland und ihre Standorte

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