Was macht ein*e Kulturreferent*in?
Kunst und Verwaltung – zwei scheinbare Gegensätze. Auf der einen Seite kreativer Ausdruck und Autonomie, auf der anderen Seite Hierarchien und feste Strukturen. Was erwartet Fachkräfte?
Text: Lisa Krusche
Wer im kulturellen Bereich arbeiten möchte, denkt vermutlich nicht zuerst an eine Stelle als Kulturreferent*in im öffentlichen Dienst. Dabei bietet der Beruf vielfältige Einsatzmöglichkeiten und die Chance die kulturelle Landschaft maßgeblich zu prägen. „Man hat einen immensen Gestaltungsspielraum“, sagt Friederike Ankele, Leiterin des Kulturbüros Hannover.
Wie alle Kulturämter dient das Kulturbüro als Bindeglied zwischen Politik, Macher*innen von Kultur und der Stadtgesellschaft. Es unterstützt Fachkräfte finanziell, koordiniert städtische Programme und fördert die Vernetzung innerhalb der lokalen Kunstszene. In beratender Funktion ist die erste Anlaufstelle für Kulturmacher*innen der Stadt. Darüber hinaus entstehen durch das Amt auch eigene Programme in Kinos, Galerien und im öffentlichen Raum.
Aufgaben als Kulturreferent*in
Als Leiterin ist Friederike Ankele mit vielfältigen Aufgaben und Verantwortlichkeiten betraut, darunter Personalführung, Abstimmungsprozesse mit Vorgesetzen, fachliche Beratung der Politik, Finanzabsprachen, Repräsentation auf Veranstaltungen, Gespräche mit Fachkräften und Macher*innen der Kultur sowie die strategische Ausrichtung des Kulturbüros: Welcher Schwerpunkt wird ausgebaut? Wo setzt man einen Fokus?
Die Antworten auf diese Fragen drücken sich in unterschiedlichsten Projekten aus. „Wir haben gerade eine neue Kulturförderrichtlinie für die Stadt rausgegeben. Heute den Tanzentwicklungsplan präsentiert und nächsten Monat stellen wir die Musikstrategie vor, weil wir UNESCO City of Musik sind“, erklärt Friederike Ankele.
Das konkrete Stellenprofil von Kulturreferent*innen kann je nach Institution und Position variieren. Der Begriff bezeichnet weniger eine klar definierte Profession als vielmehr ein breites Tätigkeitsfeld. Kulturreferent*innen, häufig auch Kulturmanager*innen genannt, arbeiten an der Schnittstelle von Kunst, Öffentlichkeit, Verwaltung und Finanzierung. Sie organisieren Festivals, koordinieren hauseigene Förderprogramme, entwickeln Kulturstrategien, betreuen Künstler*innen, schreiben Förderanträge, planen Veranstaltungen oder beraten Politik und Verwaltung. Genau diese Vielseitigkeit macht den Beruf für viele Geistes- und Kulturwissenschaftler*innen attraktiv.
Ebenso unterschiedlich wie die Aufgaben sind die Arbeitgeber*innen. Dazu zählen Kulturämter und -referate von Städten und Landkreisen, Landes- und Bundesministerien, Theater, Museen, Musikfestivals, Stiftungen oder freie Kulturträger. Auch die Hierarchieebenen reichen von Projektstellen über eine Sachbearbeitung bis hin zu Leitungspositionen mit Personal- und Budgetverantwortung.
Kulturreferent*in im öffentlichen Dienst
Friederike Ankele ist als Leiterin des Kulturbüros Angestellte im öffentlichen Dienst tätig – dem größten Kulturträger in Deutschland. Als solcher bietet er in dieser Branche unterschiedlichste Jobs bei einer Bandbreite von Institutionen wie Ämtern, Archiven, Denkmalfachbehörden, öffentlichen Bibliotheken und Museen. Aber auch außerhalb des öffentlichen Dienstes finden sich vielfältige Arbeitsmöglichkeiten für Kulturreferent*innen, neben freien Kulturinstitutionen auch in Organisationen des Freizeit- und Tourismussektors sowie im Kultursponsoring von Unternehmen.
Der Weg zur Kulturreferent*in ist – wie für Generalist*innen typisch – verzweigt und oft individuell. Friederike Ankele ist gelernte Buchhändlerin. Im Zuge eines Praktikums bei einem Musikfestival entschied sie sich für ein Studium der Kulturwissenschaften mit Schwerpunkt Literaturwissenschaft und Linguistik.
Einen konkreten Plan für ihre Karriere habe sie dabei nicht gehabt: „Ich wusste, ich finde Kultur interessant und dachte, dann mache ich mal Kulturwissenschaften und was ich dann werde, keine Ahnung. In der Retrospektive macht alles einen Sinn, aber die Weitsicht hatte ich damals nicht.“
Was sie hatte: Flexibilität, eine große Offenheit gegenüber den Chancen, die sich ihr boten und viel Begeisterung für Kultur. So eine Haltung legt sie auch Berufseinsteiger*innen ans Herz. „Nirgendwo lernt man das so gut wie in der Praxis. Erfahrungsgemäß sind Festivalformate ein gutes Einstiegsfeld in verschiedene Sparten. Ich profitiere auch in meinem heutigen Job immer noch stark von dieser Expertise des praktischen Arbeitens.“
Auch Friederike Ankeles Weg führte sie zunächst in die freie Kulturszene als Teil der Leitung des Morgenland Festival in Osnabrück. Parallel absolvierte sie berufsbegleitend einen Master im Kulturmanagement: „Das war dann schon eine strategische Entscheidung, weil ich wusste, mit dem Kulturwissenschaft-Bachelor werde ich keine Jobs bekommen, die mich über ein bestimmtes Gehalt oder einen bestimmten Verantwortungsbereich hinausbringen. Mir war klar, irgendwann will ich mal was anderes machen und in verantwortlichere Positionen gehen.“
2016 wechselte sie an die Musikakademie in Weikersheim, wo sie erstmals eine stellvertretende Leitungsfunktion mit Personal-, Budget- und Förderverantwortung übernahm. Zwei Jahre später folgte der Wechsel zum Musikland Niedersachsen nach Hannover. Dort vertiefte sie insbesondere ihre Arbeit im Bereich Kulturförderung und kulturpolitischer Interessenvertretung. Prägend waren dabei auch die Erfahrungen während der Corona-Pandemie, in der Fragen von Förderung, Beratung und kulturpolitischer Steuerung stark in den Vordergrund rückten.
Kulturjob: Etwas bewegen im Amt
Der Schritt in die Verwaltung erfolgte schließlich 2022 aus dem Wunsch heraus, kulturpolitische Prozesse noch unmittelbarer mitzugestalten, die Perspektive öffentlicher Kulturförderung kennenzulernen und als Vermittlerin zwischen freier Szene und Verwaltung zu agieren. Das sei für sie ein maßgeblicher Impuls gewesen, selbst in die Verwaltung zu gehen, „um zu sehen wie das ist und um eine moderierende Rolle zu übernehmen. Das ist ein Anspruch, den ich heute noch habe, zu schauen, wie bekommt man eigentlich zwei völlig unterschiedliche Systeme zusammen.“ Mittlerweile kenne sie beide Seiten gut und verstehe, woher Verständnisprobleme rühren. Dann könne sie gerade durch ihre Vorerfahrung den Kolleg*innen in der Verwaltung als Übersetzer*in dienen und Verständnis für die Seite der Kulturmacher*innen wecken.
Voraussetzung für den Beruf ist ihrer Meinung nach deswegen auch ein Talent zur Empathie: „Man muss Lust auf komplexe Persönlichkeiten haben – im positiven Sinne – und Interesse für Menschen und Biografien mitbringen.“ Zu den weiteren Anforderungen ihrer Position zählte neben einem fachlichen Schwerpunkt, den man mitbringen müsse, auch die Bereitschaft sehr viele komplexe Zusammenhänge parallel voneinander zu bearbeiten. „Das, was ich mache, ist weit weg von einem Spezialauftrag. Ich bin eine echte Generalistin an der Stelle.“
In einem Verwaltungssystem, in dem viele Absprachen nötig und man auf Erlaubnis und Freigabe warten muss, brauchen Fachkräfte vor allem Geduld und die aktive Entscheidung für dieses Arbeitsumfeld. Wer auf Autonomie aus sei, werde in der Verwaltung als Kulturrefent*in nicht glücklich. „Ich kann zum Beispiel nicht frei über meinen Kalender entscheiden. Wenn ich morgen einen Termin mit der Dezernentin reinbekomme, dann ist das so. Autonomie wird stark begrenzt, das geht sonst auch gar nicht anders in diesem System. Das ist einfach eine Frage von Persönlichkeit – kann ich mich da rein sortieren oder genieße ich zum Beispiel eigentlich lieber die Freiheit Dinge einfach abzusagen“, so Friederike Ankele.
Ein Vorteil des Berufs ist die finanzielle und strukturelle Sicherheit, die der öffentliche Dienstbietet. „So eine Stadt geht so schnell nicht unter“, erklärt Friederike Ankele, Mutter zweier Kinder. Und trotzdem aller Sicherheit des öffentlichen Dienstes ist für die Kulturreferentin die Freude an der Auseinandersetzung mit kulturpolitischen Fragestellungen sowie die Begeisterung für Kultur ein ausschlaggebender Faktor für ihre Tätigkeit.

