Arbeiten an einer Volkshochschule
Die Programmplanung mit den Kursleiter*innen gehört unter anderem zu den Tätigkeiten für Fach- und Führungskräfte an einer VHS. Foto: © Leonardo.Ai/KI-generiert

Arbeiten an einer Volkshochschule

Von Yoga bis Excel – an der VHS kann man fast alles lernen. Petra Winterstein sorgt dafür, dass Kurse, Finanzen und Dozent*innen reibungslos zusammenlaufen – und erzählt von ihrem Arbeitsalltag.

Text: Daniela Obermeyer

Petra Winterstein ist Geschäftsleiterin der Volkshochschule im Landkreis Roth in Bayern, zu der 18 Außenstellen im ganzen Landkreis gehören. Sei eine VHS früher mehr ein Angebot von Rentner*innen für Rentner*innen gewesen, biete eine solche Einrichtung heute eine sehr breite Palette: „Wir sorgen für Integration, wir machen Menschen gesünder, wir bieten Dienstleistungen für Unternehmen und Kommunen und noch viel mehr“, erklärt sie. „Gerade Menschen, die nach der Sinnhaftigkeit ihres Jobs fragen, sind bei uns richtig.“ Vermutlich auch deshalb ist die Erwachsenenbildung im Allgemeinen ein bei Generalist*innen stark nachgefragtes Berufsfeld. Die Arbeitgeber*innen sind vielfältig und damit auch die Einstiegsmöglichkeiten für Interessierte, die nicht als Kursleiter*innen arbeiten möchten, denn diese sind in der Regel freiberuflich beschäftigt. In der Programmplanung, Verwaltung und in leitender Funktion gibt es dagegen verschiedene Möglichkeiten, fest angestellt und hauptberuflich zu arbeiten.

Zudem erweist sich die Arbeitsmarktsituation in der Erwachsenenbildung, die von öffentlich-rechtlichen oder staatlichen Anbietern wie den Volkshochschulen durchgeführt wird, als ziemlich stabil. Dafür sorgen die Weiterbildungsgesetze der Bundesländer, welche die Grundlage für deren Finanzierung bilden. Unter anderem zu diesem Schluss kommt ein Forschungsprojekt an der Universität Tübingen namens „StellA“. Dabei wurde untersucht, wie sich die hauptberuflichen Tätigkeiten in der öffentlichen Erwachsenenbildung mit Schwerpunkt auf VHS entwickelt haben, von der Zeit der Bildungsreformen der 1960er- und 1970er-Jahre bis heute.

VHS-Jobs: Fachkenntnisse zählen

Laut dem Deutschen Zentrum für Erwachsenenbildung (DIE) arbeiteten 2023 rund 10.570 Fachkräfte hauptberuflich an einer VHS. Davon waren rund 680 Leiter*innen, etwa 4.500 Personen zählten zu den sogenannten hauptamtlichen pädagogischen Mitarbeiter*innen (HPM) und der Rest entfiel auf Verwaltungs-, Wirtschafts- und sonstiges Personal. Zugegeben: Das ist kein sehr großer Arbeitsmarkt – aber ein akademisch und generalistisch geprägter. Der Professor für Erziehungswissenschaft Matthias Alke und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Laura Uhl, die das StellA-Projekt durchgeführt haben, bestätigen das und ergänzen zugleich: „Der Arbeitsmarkt für die Leitungskräfte und HPM ist durch eine qualifikatorische Offenheit gekennzeichnet. Es werden aber mittlerweile immer mehr erwachsenenpädagogische Qualifikationen, Fachstudiengänge mit Programmbereichsbezug oder betriebswirtschaftliche Abschlüsse nachgefragt.“

Das spiegelt sich auch bei den Mitarbeiter*innen der Volkshochschule im Landkreis Roth wider: Hier sind zum einen etwa 20 Personen mit verwaltungsrechtlicher Ausbildung beschäftigt, welche in jeder Kommune jeweils für eine Außenstelle zuständig sind. Zum anderen gibt es in der Hauptstelle zehn Fachkräfte mit und ohne Hochschulabschluss, die in der übergeordneten strategischen Planung arbeiten. Sie kommen aus verschiedenen Fachrichtungen: den klassischen Geisteswissenschaften, dem professionellen Marketing oder aus großen Wirtschaftsunternehmen. Der Quereinstieg war bei fast allen an der Tagesordnung. Die Geschäftsleiterin Petra Winterstein schildert ihre Anforderungen: „Pädagogisches Wissen ist auf jeden Fall hilfreich. Aber noch wichtiger sind Praxiserfahrungen und Fachkenntnisse. Man sollte Erfahrung mitbringen, in dem Thema, mit dem man es zu tun hat. Das muss auch nicht unbedingt das eigene Studienfach sein, sondern kann aus einer früheren beruflichen Tätigkeit oder einem Ehrenamt kommen.“

Welche Themen an einer VHS eine besonders große Rolle spielen, zeigt das DIE in seinen Statistiken:

  • 2023 wurden etwa 14,5 Millionen Unterrichtsstunden gehalten
  • Davon entfiel mit 8,8 Millionen der größte Teil auf Sprachen inklusive „Deutsch als Fremdsprache“ mit einem Umfang von etwa 6,5 Millionen Stunden hat.
  • Es folgten Gesundheit (2,2 Millionen) und „Kultur & Gestalten“ (1,2 Millionen)
  • Außerdem relevant waren die Programmbereiche „Qualifikationen für das Arbeitsleben, IT, Organisation/Management“, „Schulabschlüsse, Studienzugang und -begleitung“, „Politik, Gesellschaft, Umwelt“ sowie Grundbildung

Raum für Quereinstieg in VHS-Stellen

Petra Winterstein selbst ist ein gutes Beispiel für einen gelungenen Quereinstieg. Nach ihrem Magisterabschluss 2002 in Neure deutsche Literaturwissenschaft, Philosophie und Theaterwissenschaft wollte und musste sie schnell ihren Lebensunterhalt bestreiten. In der Erwachsenenbildung wurden damals viele Lehrkräfte für Deutsch gesucht, und so stieg sie als Integrations-Dozentin ein. Die dafür notwendige Qualifizierung „Deutsch als Fremdsprache“ (DaF) erwarb sie parallel zum Job. Es folgten berufliche Stationen in China und Sri Lanka, immer mit DaF-Bezug. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland übernahm sie erneut Integrationskurse an einer VHS. Die Nachfrage stieg ab 2015 aufgrund des Kriegs in Syrien stark an, sodass Petra Winterstein wegen ihren Erfahrungen immer mehr überordnete, organisatorische Aufgaben übertragen bekommen hat, beispielsweise Projektmanagement und Drittmittelarbeit. So qualifizierte sie sich Schritt für Schritt für die ausgeschriebene Stelle der VHS-Leitung in Roth.

Drittmittel einwerben – etwa vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) oder der Bundesagentur für Arbeit – sowie die gesamte Haushaltsplanung, ist heute eine der Hauptaufgaben der Geschäftsleiterin. Die VHS wird zwar von den 16 zum Landkreis gehörenden Kommunen finanziert, doch wie in vielen Kommunen bundesweit werden auch hier die Mittel knapper. Außerdem gehören zu Petra Wintersteins Aufgaben Personalsuche und -führung, Qualitätskontrolle und, in geringem Umfang, die Programmplanung: „Wir entwickeln unsere Inhalte und Formate ständig weiter, um möglichst viele Zielgruppen zu erreichen“, erklärt sie. So wurde etwa der Bereich „Junge VHS“ aufgebaut, der gezielt Kinder, Schüler*innen und Familien anspricht. „vhs business“ wiederum bietet Weiterbildung für Unternehmen, Kommunen, Behörden und andere Institutionen, vom betrieblichen Gesundheitsmanagement über Business-Englisch bis zu Software-Schulungen.

Weiterqualifizierung in Management für VHS-Jobs

Ihr Wissen rund um Unternehmensorganisation und -management hat Petra Winterstein nicht im Studium gelernt, sondern hat sie sich nach und nach angeeignet – etwas, was ihrer Erfahrung nach vor allem Geisteswissenschaftler*innen gut können. Eine Weiterqualifizierung in Managementtools wie etwa agiles Projektmanagement, kann also der Fuß in die Tür zu einer VHS sein. Was ebenfalls gefragt ist, beschreiben Matthias Alke und Laura Uhl: „Unsere Stellenanalyse zeigen auch neuartige Stellenprofile, zum Beispiel mit Schwerpunkt auf Digitalisierung, Beratung, Drittmittelakquise, Marketing oder die Bildungsarbeit mit bestimmten Zielgruppen. Auch Stellen mit sozialpädagogischem Zuschnitt sind in der letzten Dekade an Volkshochschulen zunehmend vorhanden.“ Petra Winterstein nennt noch einen weichen Faktor, der von Vorteil ist: „Man sollte offen sein für Neues und eine gewisse Neugier mitbringen. Ich lerne in meinen Job jeden Tag etwas dazu, und das ist gut so. Wir sind ja Weiterbildner*innen, also sollten wir auch uns selbst weiterbilden.“

Eine andere Möglichkeit zum Einstieg ist die Tätigkeit als Dozent*in oder Kursleiter*in auf freiberuflicher Basis. Petra Winterstein gibt aber zu bedenken: „Aufgrund der sehr geringen Honorare kann man das nur zusätzlich zu einer anderen Tätigkeit machen.“ Lediglich im Drittmittel-geförderten Bereich wie bei den Integrationskursen gebe es Fachkräfte, die davon ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Hier sei der Einstieg allerdings stärker als in anderen Bereichen durch Qualifikationsanforderungen reguliert, etwa eine BAMF-Zulassung oder DAF-/DAZ-Zusatzqualifikation, wie Matthias Alke und Laura Uhl festgestellt haben.

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