Was macht man als Umweltberater*in?
Mit grünem Daumen in der freien Wirtschaft: Umweltberater*innen. Foto: © Leonardo.Ai/KI-generiert

Was macht man als Umweltberater*in?

Sie können selbstständig oder bei Ämtern arbeiten – oder eben in der freien Wirtschaft Anstellung finden. Welche Abschlüsse und Fähigkeiten Akademiker*innen für die Umweltberatung in Unternehmen mitbringen müssen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Text: Christine Sommer-Guist

In so manchen Unternehmen stapeln sich inzwischen Fragen rund um Nachhaltigkeit und Klimaschutz: Welche Vorgaben gelten? Welche Maßnahmen sind sinnvoll? Wie lassen sich Kosten und Umweltziele in Einklang bringen? Genau hier setzt die Arbeit von Umweltberater*innen an. Besonders in der freien Wirtschaft ist ihre Expertise gefragt, wenn es darum geht, Strategien zu entwickeln, Prozesse umweltfreundlicher zu gestalten und Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Denn mit immer strengeren gesetzlichen Vorgaben und dem wachsenden Bewusstsein für ökologische Verantwortung steigt auch die Nachfrage nach Fachkräften, die Unternehmen mit ihrem Know-how durch diesen Wandel begleiten. „Ganz klassisch haben sie Umweltingenieurwesen oder Umweltwissenschaften studiert“, erläutert Dr. André Rückert, Projektentwickler und -manager bei Ecologicon, einem Unternehmen, das sich auf Umweltberatung sowie nachhaltiges Produkt- und Abfallmanagement spezialisiert hat. „Es gibt aber auch viele Quereinsteiger*innen – zum Beispiel aus der Geografie, den Geowissenschaften oder auch aus der Biologie. Ebenso gefragt sind diejenigen, die sich im Umweltrecht auskennen oder Nachhaltigkeitsmanagement studiert haben.“

Was hat Umwelt mit Wirtschaft zu tun?

In der freien Wirtschaft sind Fachkräfte der Umweltberatung längst mehr als Gutachter*innen. Ihre Arbeit beginnt bei Umweltaudits und Zertifizierungen, reicht über die Analyse ökologischer Auswirkungen bis zur Erstellung von Ökobilanzen wie dem CO2-Fußabdruck. Sie entwickeln ESG-Strategien, beraten zu aktuellen Vorgaben wie der EU-Taxonomie oder dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, integrieren Umweltmanagementsysteme und verantworten gesetzlich geforderte Nachhaltigkeitsberichte. Darüber hinaus organisieren sie Workshops und Schulungen, damit Mitarbeiter*innen Umweltverantwortung aktiv in Produktions- und Wirtschaftsprozesse einbauen. Das zeigt: Umweltberatung ist kein Nischenthema mehr, sondern ein strategischer Baustein modernen Wirtschaftens. So liest es sich auch auf der Webseite des Bundesministeriums für Umwelt: „Wirtschaft und Umwelt sind keine Gegensätze, sondern gehören zusammen.“ Mit einer n achhaltigen Führung übernehmen Unternehmen Verantwortung für den Schutz von Menschenrechten, sowie Umwelt, Klima und Biodiversität.

Dementsprechend sind Umweltberater*innen in verschiedensten Branchen gefragt: beispielsweise in der Produktion von Gütern, wo sie für Emissionskontrollen oder Abfallmanagement zuständig sind; In der Bau- und Immobilienwirtschaft steuern sie ökologische Projekte, entwickeln Klimastrategien für Energieversorger*innen und Verkehrsunternehmen oder erstellen Umweltgutachten und Nachhaltigkeitskonzepte für Beratungsfirmen und Ingenieurbüros. Auch große Konzerne beschäftigen Umweltberater*innen. Bei ihnen liegt der Fokus meist auf strategischer Beratung, Risikominimierung und Imagepflege. Denn Nachhaltigkeit schafft nachgewiesenermaßen mehr Sicherheit in Produktionsprozessen sowie Wettbewerbsvorteile beim Anwerben von Fachkräften. Eine weitere große Stellschraube, die die Nachfrage nach Umweltberater*innen steigert, sind gesetzliche Regulierungen wie beispielsweise die neue EU-Richtlinie „Corporate Sustainability Reporting Directive“.

Wie wird man Umweltberater*in?

Wie es oft ist bei Berufen für Generalist*innen: Auch in der Umweltberatung sind Stellenangebote nicht immer mit einem eindeutigen Label versehen. So suchte das Planungs- und Beratungsunternehmen Arcadis kürzlich eine Fachkraft für die ökologische und bodenkundliche Baubegleitung. Zu den Aufgaben zählten unter anderem die Betreuung und Beratung der Kunden in den Themenbereichen Bodenkunde und Umweltbaubegleitung. Die Vössing Ingenieursgesellschaft mbH suchte eine*n Umweltplaner*in mit dem Schwerpunkt Umweltgutachten und Datenaufbereitung. In beiden Stellenausschreibungen wird ein grünes und vor allem generalistisches Profil der Bewerber*innen gesucht: Studienabschluss in Landschafts- oder Umweltplanung sowie natur- oder geografischen Studienrichtungen. Die Aecom Deutschland suchte für ihre Stelle als Environmental Consultant für Boden- und Grundwasserprojekte eine Person mit abgeschlossenem Studium in einem einschlägigen Fachbereich – und zwei Jahre Berufserfahrung im Bereich Boden beziehungsweise Altlasten.

Neben einem Hochschulabschluss sind in diesem Berufsfeld laut André Rückert Kommunikationsstärke und Empathie gefragt: „Kommunikation ist alles. Denn die Informationen, die beispielsweise im Bereich Umweltzertifizierung notwendig sind, verteilen sich über alle Abteilungen des Unternehmens. So hat beispielsweise die Logistikabteilung die Kennzahlen zu Transportemissionen oder zurückgelegten Kilometern pro Jahr, die Produktion, die Kennzahlen zur Produktion und dabei anfallenden Abfällen. Oft gibt es noch spezielle Abfallbeauftragte. Diese Zahlen und Quellen müssen wir alle finden und zusammentragen. Wir interagieren also mit sehr vielen unterschiedlichen Personen und müssen die Kommunikation entsprechend anpassen.“ Neben einem effektiven Projektmanagement und Routine im Umgang mit Daten, um wichtige Kennzahlen sichtbar zu machen, sei dafür auch noch eine weitere Sache wichtig: „Einige Menschen müssen wir dabei mit Samthandschuhen anfassen, damit sie kooperieren, andere wiederum so leiten, dass wir die nötigen Kennzahlen korrekt ermitteln können.“

„Von der EU kommen immer mehr Vorschriften auf die Unternehmen zu. Die Berichterstattung muss ausführlicher werden, die Kennzahlen detaillierter erhoben und Lieferketten transparent gemacht werden“, so André Rückert. Ständige Weiterbildungen sind somit unerlässlich für Fachkräfte in dieser Branche. „TÜV und DEKRA haben gute Akademien und Weiterbildungsangebote zum Thema Umweltmanagement. Und wenn man den Umweltmanagement-Schein hat, muss man regelmäßig Auffrischungskurse durchführen. Es gibt neben TÜV und DEKRA auch andere Anbieter, die solche Kurse hybrid, online oder auch vor Ort anbieten“, erklärt André Rückert. Wichtig sind für diesen Beruf die Bereitschaft, sich kontinuierlich in neue Branchen, Gesetze und Vorschriften einzuarbeiten, ebenso wie interdisziplinäres Denken, strukturiertes und transparentes Vorgehen sowie Kommunikationsstärke. Belohnt werden diese Einsätze mit einem spannenden Berufsfeld, das sich permanent weiterentwickelt und gleichzeitig als krisensicher gilt.

Wie viel verdient ein Umweltberater*in?

Für Umweltberater*innen in der freien Wirtschaft in Deutschland bewegt sich das durchschnittliche Jahresgehalt je nach Erfahrung, Rolle und Region meist zwischen 45.000 Euro und 65.000 Euro brutto. In höheren Positionen, etwa als Umweltbeauftragte*r oder Senior Consultant, sind auch Einkommen von bis zu 85.000 Euro oder mehr möglich. Diese Werte ergeben sich aus aktuellen Gehaltsanalysen verschiedener deutscher Job- und Karriereplattformen sowie branchenbezogener Erhebungen. Im öffentlichen Dienst orientieren sich die Gehälter an den Tarifverträgen für den öffentlichen Dienst (TVöD). Wirft man einen Blick in den Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liegt der Verdienst für Umweltberater*innen im öffentlichen Dienst typischerweise zwischen etwa 46.000 Euro und 72.000 Euro brutto, je nach Erfahrungsstufe und Besoldungsgruppe.

Abgesehen vom Gehalt unterscheiden sich die Tätigkeiten für Umweltberater*innen im öffentlichen Dienst und der Wirtschaft weiterhin: In Unternehmen stehen strategische Beratung, ESG-Konzepte, Umweltaudits und die Integration von Umweltmanagementsystemen in wirtschaftliche Prozesse im Vordergrund, während im öffentlichen Dienst eher die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben, die Begleitung von Umweltprojekten und die Beratung von Behörden im Mittelpunkt stehen. Die freie Wirtschaft bietet oft mehr Flexibilität, abwechslungsreiche Projekte und die Chance, direkt messbare Nachhaltigkeitserfolge zu gestalten, während der öffentliche Dienst mehr Jobsicherheit, geregelte Arbeitszeiten und klare Hierarchien bietet.

Wirtschaft vs. Öffentlicher Dienst

In der freien Wirtschaft stehen marktorientierte Aufgaben im Vordergrund wie Umweltaudits und Zertifizierungen, Ökobilanzen, die Entwicklung und Umsetzung von ESG-Strategien, die Beratung zu EU-Taxonomie oder Lieferkettensorgfaltspflichten sowie die Integration von Umweltmanagementsystemen in betriebliche Abläufe und die Kommunikation von Nachhaltigkeitsleistungen. Im öffentlichen Dienst dagegen orientiert sich die Arbeit stärker an Verwaltungstätigkeiten und Rechtsdurchsetzung: Genehmigungs- und Aufsichtsaufgaben, Überwachung von Umweltauflagen, fachliche Beratung von Behörden, die Mitwirkung an kommunalen oder staatlichen Umweltprojekten sowie die Erhebung und Auswertung von Umweltdaten dominieren dort. Fachlich überschneiden sich viele Tätigkeiten, doch die freie Wirtschaft verlangt häufiger Kundenorientierung, Projektmanagement und Ergebnisdenken, während die Verwaltung stärker auf Rechtskonformität, langfristige Planung und öffentliche Rechenschaftspflichten ausgerichtet ist.

„Unternehmen stehen unter großem Druck, sich Expertise ins Haus zu holen“, erklärt André Rückert. Die EU-Auflagen seien aber nicht dafür da, den Unternehmen eine Bürde aufzuerlegen. Sie haben alle das Ziel, die Umwelt zu schützen. Am Beispiel der Abfallwirtschaft erläutert der Experte: „Weltweit fällt immer mehr Abfall an, der gemanagt werden muss. Nicht nur mit Auflagen und neuen Regelungen, sondern vor allem mit ausgebildeten Expert*innen, die zu strategischen Partner*innen für Unternehmen und zeitgleich für die Umwelt werden.“ Umweltberatung ist also weitaus mehr als das „grüne Gewissen“ der Wirtschaft, sie ist ein Zukunftsjob mit wachsender Bedeutung.

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