Vorbereitung auf das Agrargeschäft
Neben Theorieeinheiten zu Verwaltung und Recht im Agrarbereich ist auch die Beratung von Landwirt*innen Teil der Ausbildung.

Vorbereitung auf das Agrargeschäft

In Agrarreferendariaten lernen Fachkräfte das nötige Know-how, um Fach- und Führungsaufgaben zu übernehmen. Damit qualifizieren sie sich für den öffentlichen Dienst von Agrarverwaltungen und andere Unternehmen mit landwirtschaftlichem Bezug.

Text: Stefanie Schweizer

„Im Vorbereitungsdienst ist die Stärkung der Personal- und Sozialkompetenz, ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Aspekt der Ausbildung von Fach- und Führungskräften im Agrarbereich.“ So beschreibt Karoline Mensing von der Landwirtschaftskammer Nordrheinwestfalen (LWK NRW) das Agrarreferendariat. Und sie muss es wissen, schließlich begleitet sie seit 2017 Agrarreferendar*innen während ihrer Ausbildung.

Mensing selbst hat dabei denselben Weg bestritten. Heute unterrichtet sie neben ihrer Tätigkeit bei der LWK NRW auch an der Fachschule Münster-Wolbeck. Die meisten Flächenländer bieten für Absolvent*innen einer landwirtschaftlichen Fakultät inklusive des Gartenbaus ein Agrarreferendariat an. Diese können sich jedoch in der Ausgestaltung und im Bewerbungsverfahren unterscheiden.

Fachlich und sozial wachsen

In NRW gliedert sich der Vorbereitungsdienst in drei Abschnitte. „Zuerst beschäftigen sich die Referendare mit dem Verwaltungsrecht. Für die Referendare ist oft überraschend, dass dieser Abschnitt durch die praktische Anwendung, zum Beispiel im landwirtschaftlichen Erbrecht oder in der Agrarförderung, sehr vielseitig und überhaupt nicht so trocken ist, wie sie erwartet hatten“, erklärt Mensing. Im nächsten Schritt gehe es dann nochmals verstärkt an praktische Herausforderungen wie beispielsweise die Themen Mitarbeiter*innenführung, Projektmanagement und Controlling.

„Aktuelles Thema hier ist natürlich die Digitalisierung, insbesondere die Umsetzung ‚vor Ort‘ mit den beteiligten Mitarbeitern“, so Mensing. Gegen Ende des 24-monatigen Dienstes widmen sich die Referendarinnen und Referendare allen Fragen und Prozessen rund um Beratung und Weiterbildung landwirtschaftlicher Unternehmerfamilien. Dabei gilt es, für betriebswirtschaftliche und produktionstechnische Fragen gemeinsam mit den Betrieben mögliche Lösungen zu erarbeiten.

Sei es in führungsbezogenen Situationen­ oder in der Beratung von Betrieben: Agrarreferendar*innen benötigen für nahezu alle Aufgabenbereiche eine ausgeprägte Sozial­kompetenz und Eigeninitiative, um auf die individuellen Situationen der Landwirt*innen eingehen zu können. Hinzu kommt zumindest in NRW, dass jeder Ausbildungsabschnitt an einer anderen Dienststelle absolviert wird. Das erfordert von Bewerber*innen Flexibilität und die Fähigkeit, sich immer wieder schnell in neue Teams und Strukturen einfügen zu können.

Der persönliche sowie fachliche Einsatz der Nachwuchskräfte ist also groß; der Output, der am Ende des Vorbereitungsdienstes auf sie wartet, ist aber noch größer, wie Karoline Mensing erklärt: „Nach der Ausbildung sind die Referendare breit aufgestellt und übernehmen Fach- und Führungsaufgaben nicht nur im öffentlichen Dienst von Agrarverwaltungen. Auch Steuerberater oder andere Wirtschaftsunternehmen mit landwirtschaftlichem Bezug, zum Beispiel Energieversorger, schätzen die Kompetenzen der Absolventen.“

Gefragte Ausbildung

Die wenigen Plätze sind nicht nur mit Blick auf die fachlichen Vorteile und anschließender Karrieremöglichkeiten äußerst beliebt: „Seit 2020 scheinen die Vorteile des öffentlichen Dienstes, wie familienfreundliche Arbeitsplätze, sozialer Zusammenhalt, Arbeit im Homeoffice und ein sicheres Einkommen mit guter sozialer Absicherung die Attraktivität des Agrarreferendariats noch zu erhöhen“, so Mensing. In NRW übersteigt die Zahl der Bewerbungen die Anzahl der freien Plätze daher regelmäßig.

Auch in Sachen Diversität bemüht man sich im Agrarreferendariat: „Bewerbungen geeigneter Menschen mit Behinderung sind ausdrücklich erwünscht“, erklärt Mensing. Auch sexuelle Identität und Herkunft spielten keine Rolle. Allerdings müssen Bewerber*innen die Staatsangehörigkeit eines EU-Landes nachweisen, da die Referendarinnen und Referendare als Beamt*innen auf Widerruf eingestellt werden.

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