Eine Frau kommt mit Koffern am Flughafen an. Das Bild ist KI generiert.
Zurück aus dem Ausland: Wenn Fachkräfte ihre Arbeit wieder nach Deutschland verlagern, gibt es einiges zu beachten. Bild: © Leonardo.Ai/KI-generiert

Zurück aus dem Ausland

Ob aus Spanien, China oder Kolumbien: Jedes Jahr kommen deutsche Fachkräfte zurück aus dem Ausland. Dabei gibt es bürokratische, aber auch persönliche Dinge zu beachten. Wir geben Starthilfe zurück in der Heimat.

Text: Christine Sommer-Guist

Laut Statistischem Bundesamt kommen jährlich rund 190.000 deutsche Staatsangehörige aus dem Ausland zurück nach Deutschland. Auch, wenn man die Zahl nicht genau bestimmen kann: Darunter sind auch Fachkräfte, die über viele Jahre hinweg im Ausland tätig waren. Sie sind unter Umständen nicht nur an andere Sozial- und Steuersysteme gewöhnt, sondern sind oftmals vom sogenannten Reverse Cultural Shock betroffen: Es beschreibt das Gefühl, sich im Heimatland neu orientieren zu müssen. 

Denn einerseits hat man sich selbst in der Ferne verändert, Verhaltensweisen der besuchten Kultur übernommen und Erfahrungen gemacht, die den Daheimgebliebenen fehlen. Andererseits haben sich auch im eigenen Land die Werte, Gewohnheiten und Kommunikationsstile verändert. Hinzu kommt, dass auch das persönliche Umfeld nicht stehen geblieben ist. Die Rückkehr wird dadurch oft zu einer Neuintegration, die sich überraschend beängstigend anfühlen kann.

Wie melde ich mich wieder in Deutschland an?

Damit der Neustart im Alten für Fachkräfte gelingt, lohnt es sich, die Rückkehr frühzeitig vorzubereiten. Dazu zählt beispielsweise Kontakte zu Freund*innen in Deutschland frühzeitig wieder aufleben zu lassen. Das kann auf zwei Arte positive Auswirkungen haben: Wer sich schon vor der Rückkehr ein soziales Netz aufbaut, fühlt sich schneller wieder eingebunden – und spürt gegebenenfalls die Auswirkungen des Reverse Culture Shocks weniger. Gleichfalls kann es auch hilfreich sein, falls Rückkehrer*innen in Deutschland auf Wohnungssuche sind. Der angespannte Wohnungsmarkt ist leichter mit persönlichen Empfehlungen zu meistern. Gleiches gilt für ehemalige Kolleg*innen, insbesondere, wenn Fachkräfte wieder nach Deutschland kommen, weil sie einen neuen Job suchen. Dann kann es sinnvoll sein, alte Kolleg*innen oder Chef*innen zu kontaktieren und Verfügbarkeit zu signalisieren.

Nach der Rückkehr gilt es ebenfalls, sich wieder offiziell in Deutschland anzumelden. Dies ist nicht direkt beim Grenzübertritt erforderlich. Die Unterkunft spielt nämlich eine Rolle. Wer in der Ferienwohnung oder im Hotel unterkommt, ist laut Paragraf 27 Abs. 2 Bundesmeldegesetz von der Meldepflicht befreit. Zieht man vom Ausland direkt in einen festen Wohnsitz oder aber zu Freund*innen und Familie in Deutschland, ist man meldepflichtig. Das heißt, Fachkräfte müssen sich innerhalb von 14 Tagen beim Amt mit einer Wohnungsgeberbestätigung anmelden.

Job finden nach Ausland

Die internationale Berufserfahrung ist bei der Arbeitssuche in der Regel ein Pluspunkt. Arbeitgeber*innen schätzen die interkulturelle Kompetenz, Fremdsprachenkenntnisse und Selbständigkeit sowie die Anpassungsfähigkeit, die Menschen im Ausland erworben haben. Gleichzeitig haben einige Personalverantwortliche Bedenken: Wie aktuell sind die Kenntnisse des deutschen Marktes, die Fachkenntnisse bezüglich der deutschen Standards und Gesetze nach Jahren fern der Heimat? Auch die Frage, warum die Rückkehr gerade jetzt erfolgt und ob das Fernweh die neue Arbeitskraft bald wieder ins Ausland lockt, beschäftigt zukünftige Chef*innen. Es ist wichtig, diese Punkte im Lebenslauf und im Vorstellungsgespräch nachvollziehbar zu beantworten und den konkreten Mehrwert der Auslandserfahrung für das Unternehmen aufzuzeigen, um diese und andere Vorbehalte schnell auszuräumen.

Wichtig ist hier ebenfalls, die rechtzeitige Meldung bei der Bundesagentur für Arbeit. Wer im Ausland einen Vertrag bei einem deutschen Arbeitgeber hat, sollte sich spätestens drei Monate vor Ende des Arbeitsverhältnisses in Deutschland arbeitssuchend melden. Das ist online, schriftlich oder telefonisch möglich. Wer diese Frist versäumt oder keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, kann nach der Rückkehr beim Jobcenter Grundsicherung beantragen. Sich bei der Bundesagentur für Arbeit zu melden, bietet viele Vorteile. So unterstützt sie bei der Stellensuche und meldet Zeiten der Arbeitssuche an die Rentenversicherung, was später Einfluss auf die Rentenhöhe hat.

Zurück aus dem Ausland: Krankenversicherung

Eine gute Vorbereitung beginnt idealerweise mehrere Monate vor der Rückkehr. Vor allem wenn Angehörige ohne deutsche Staatsangehörigkeit mit einreisen. Diese benötigen ein Visum, das bei der zuständigen deutschen Auslandsvertretung beantragt werden muss.

Auch Krankenversicherung und Altersvorsorge verlangen einiges an Aufmerksamkeit. Wer Arbeitslosengeld bezieht, ist grundsätzlich gesetzlich krankenversichert. Entsteht zwischen Rückkehr und Leistungsbeginn aber eine Lücke, kann eine freiwillige Versicherung notwendig sein. Bei diesen Fragen helfen die deutschen Krankenkassen weiter. Für Fragen zur Anerkennung ausländischer Rentenzeiten oder zu freiwilligen Beiträgen steht die Deutsche Rentenversicherung zur Verfügung.

Egal ob Fachkräfte im EU-Ausland oder weltweit unterwegs waren: Sie müssen der Krankenkasse ihre Rückkehr melden – und das so schnell wie möglich. War man vor der Abreise gesetzlich versichert, ist nach der Rückkehr grundsätzlich auch wieder die gesetzliche Krankenkasse für einen zuständig. Bei Unklarheiten kann es hilfreich sein, bereits vor der Rückreise die entsprechende Kasse zu kontaktierten und zu erfragen, welche Unterlagen notwendig sind.

Nach 20 Jahren zurück nach Deutschland

Je nachdem wie lange man im Ausland war und auch je nachdem wo man war: Es dauert im Schnitt zwischen sechs Monaten und zwei Jahren, bis man sich in der eigenen Heimat wieder wohl fühlt. Der Prozess wird oftmals typisiert in vier Phasen dargestellt:

  • 2-4 Wochen: Freude, Genuss von Vertrautem, Wiedersehen geliebte Menschen
  • 2-6 Monte: Genervtheit über Wetter und Bürokratie, Fremdheitsgefühl in der Heimat
  • 6-12 Monate: Akzeptanz der Veränderung, neue Routinen werden gebaut
  • 1-2 Jahre: Ein Gefühl von Heimat entsteht

Im Internet gibt es viele Tipps für Rückkehrer*innen, um schneller und besser wieder anzukommen. Einer davon lautet: Die Erwartungen an alte Freund*innen herunterschrauben. Das kann sinnvoll sein. Denn die Liebsten haben ihr Leben in Deutschland weitergelebt. Sie unterbrechen ihre Routine vermutlich für einen Moment, wenn man zurückkommt, um der Wiedervereinigung genug Raum zu geben. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie schnell wieder in ihren Routinen sind, während man selbst noch keine hat, ist groß.

Holt einen der Rückkehrerblues ein, sollte man sich Perspektive verschaffen. Denn Gedanken wie „Im Ausland waren die Menschen viel offener“ oder „Dort war das Wetter viel schöner“ sind schnell gedacht. Fachkräfte sollten sich die Gründe für ihre Rückkehr bewusst machen und in solchen Moment aufrufen. Denn oftmals stehen beispielsweise der Dauersonne im Ausland auch Dauereinsamkeit gegenüber. Ein ehrlicher Blick zeigt, dass die Entscheidung für einen Rückkehr nicht willkürlich war.

Checkliste: Wo muss ich mich nach meiner Rückkehr nach Deutschland überall melden?

  • Einwohnermeldeamt
  • Agentur für Arbeit
  • Krankenkasse
  • Deutsche Rentenversicherung
  • Ggfs. Berufsständische Versorgungswerke oder Verbände

Hinzu kann die Meldung bei Strom- und Gasanbietern sowie Banken und Versicherungen zählen. Dies ist gilt es jedoch individuell abzuklären.

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