Raus aus der grünen Nische

Raus aus der grünen Nische

Spätestens seit der Bundestagswahl ist Klima- und Umweltschutz Topthema. Das wirkt sich auch auf dem Arbeitsmarkt aus, sagt Dr. Markus Janser vom Institut für Arbeitsmarktforschung. Er erwartet ein „Greening of Jobs“.

Text: Stefanie Schweizer 

Markus Janser ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Foto: IAB

WILA Arbeitsmarkt: Klima- und Umweltschutz ist mittlerweile fast überall Thema. Wie verändert das die Berufschancen für Fachkräfte?
Dr. Markus Janser: Für den Arbeitsbereich Klima- und Umweltschutz lässt sich auf der Basis bisheriger Forschungsprojekte sagen, dass die ökologische Transformation bereits angestoßen ist. Deren Dynamik lässt sich auf dem Arbeitsmarkt deutlich erkennen. Kolleg*innen aus dem IAB haben beispielsweise in einem Projekt das Klimaschutzprogramm 2030 betrachtet. Daraus lässt sich ein großer Arbeitsplatzstrukturwandel ableiten. Es werden neue Jobs entstehen, und es werden Jobs wegfallen.

Der Saldo dieser Berechnungen ist aber insgesamt positiv. Wenn man sich beispielsweise das Jahr 2025 anschaut: Es werden 40.000 neue Arbeitsplätze entstehen, auf der anderen Seite werden 14.000 wegfallen. Dadurch entsteht dann also ein Saldo von 26.000. Insgesamt sind bis 2025 54.000 Arbeitsplätze von der Transformation betroffen – allerdings waren in diesen Szenarien die jüngsten Anpassungen des Klimaschutzprogramms wie auch die ambitionierteren Klimaschutzziele der neuen Bundesregierung noch nicht berücksichtigt.

Gibt es einen Bereich, der in den nächsten Jahren besonders vielversprechend ist?
Es macht meiner Meinung nach Sinn, eine persönliche Bilanz zu ziehen: Wo liegen meine Kompetenzen in diesem Feld? Was macht mir Spaß? Wofür habe ich Energie? Wo kann ich mich damit in der Arbeitswelt einbringen? Es macht meiner Meinung nach wenig Sinn zu sagen, welche Chance habe ich dieses Jahr auf dem Arbeitsmarkt, sondern man sollte sich schon auch darauf verlassen, dass das eine positive Eigendynamik bekommt, wenn man motiviert ist und man gute Leistungen erzielt. Worauf man kritisch schauen sollte, ist, ob der Bereich, in dem man gerne arbeiten möchte, in Zukunft stark von Automatisierung beziehungsweise Digitalisierung betroffen ist und, ob es notwendig ist, noch mehr in die eigene Weiterbildung zu investieren.

Inwiefern werden die Transformationsprozesse der Wirtschaft Einfluss auf die Umweltbildung als Arbeitsbereich nehmen?
Es ist denkbar, dass sich bislang eher „konventionell wirtschaftende“ Unternehmen künftig auch immer mehr dem nachhaltigen Wirtschaften verschreiben. Diese Akteure könnten dann zunehmend Bedarf an Fachkräften im Umwelt- und Klimaschutz entwickeln und zum Beispiel auch Angebote aus der Umweltbildung in Anspruch nehmen.

Da sind dann die Menschen gefragt, die umweltspezifisches Wissen und pädagogische Kenntnisse in der Erwachsenenbildung haben. Ich gebe aber zu bedenken, dass dann bestimmt auch die großen Player im Bildungsbereich einsteigen werden. Gleichzeitig könnten im Unternehmen selbst neue „grüne“ Arbeitsplätze entstehen, die auch für Quereinsteiger*innen mit Umwelt- und Klimaschutzinteressen relevant wären.

Inwiefern eröffnet das Umweltplaner*innen den Schritt in Wirtschaftsunternehmen?
In angestammten Bereichen wie der Umweltplanung ist in Zukunft sicher grundsätzlich mehr Nachfrage zu erwarten, weil Umwelt- und Klimaschutzkompetenzen diesbezüglich immer wichtiger werden. Ich kann mir vorstellen, dass Unternehmen dann dazu übergehen, Personen mit koordinierender Funktion einzustellen wie Klimaschutzmanager*innen. Ich kann mir aber auch vorstellen und halte es für wahrscheinlicher, dass Umwelt- und Klimaschutzkompetenzen eine mögliche Spezialisierung sein werden, die man im Sinne eines „Greening of Jobs“ künftig in bestehenden Berufsfeldern sehen wird.

Wird es durch die Präsenz des Themas Klima- und Umweltschutz für Fachkräfte einfacher, Inhalte zu vermitteln?
Eine Kollegin von mir hat 2018 mithilfe einer Befragung untersucht, welche Bedeutung ökologische Nachhaltigkeit für die Betriebe hat. 53 Prozent sagten, dass ihnen ökologische Nachhaltigkeit und Umweltschutz wichtig oder sehr wichtig sind. Das ist erst einmal eine reine Meinungsabfrage. Ich glaube, wenn man das vor ein paar Jahren gefragt hätte, wäre das Ergebnis niedriger gewesen. Insofern denke ich, da tut sich zumindest schon was. Das macht es einfacher, weil heute eben vieles Mainstream ist, was früher grüne Nische war. Die Notwendigkeit eines ökologischen Umsteuerns zur Rettung des Klimas und der Artenvielfalt ist in weiten Kreisen anerkannt.

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