Social Media: Mehr als Selfies
Auf dem Weg zur Arbeit oder in der Mittagspause: Social Media ist stets präsent. Spezifische Zielgruppen zu erreichen, braucht gute Planung und ein Verständnis von Instagram und Co.

Social Media: Mehr als Selfies

Auf Instagram und Co. geht es um mehr als um Modetrends und Beautytipps von Influencern. Im Journalismus setzt man nun auch auf Social Media und crossmediales Erzählen – nicht nur, wenn es darum geht, Jugendliche zu erreichen.

Interview: Stefanie Schweizer 

Anna Beerlink ist Redakteurin beim FUNK-Format „Mädelsabende“ und bereitet feministische Themen für Instagram auf. Foto: privat

WILA Arbeitsmarkt: Mal angenommen, ich möchte ein neues, journalistisches Format für eine junge Zielgruppe entwickeln. Wie genau stelle ich das an?
Anna Beerlink: Darüber könnten wir zwei Tage lang sprechen! Am wichtigsten finde ich, genau diese Zielgruppe in die Formatentwicklung miteinzubeziehen. Spätestens, wenn es darum geht, Prototypen zu beurteilen – aber am liebsten schon viel früher, wenn es um mögliche Themen oder Formen geht. Das eigene Bauchgefühl oder die eigene Erfahrung sollten für Journalist/innen nicht ausschließlich der Maßstab sein. Außerdem finde ich es klug, das Thema möglichst eng zu fassen. Es hilft den User/innen einfach, wenn sie wissen, was sie bei einem Format erwartet.

Was sollte ein journalistisches Format unbedingt mitbringen, um zum Beispiel die Lebenswelt der Generation Z abzubilden und sie zu erreichen?
Interaktivität. Bei unserem Funk-Format „Mädelsabende“ sind die Community und der Austausch mit dieser ein ganz zentraler Bestandteil der redaktionellen Arbeit. Journalismus funktioniert nicht mehr nur in eine Richtung – und das ist auch gut so.

"Instagram macht Arbeit."

Das Format „Mädelsabende“ bietet seine Inhalte ausschließlich auf Instagram an. Wieso?
„Mädelsabende“ ist ja gedacht als Gegengewicht zur oft oberflächlichen Influencer-Welt auf Instagram – und ist natürlich auch für die Plattform maßgeschneidert. Das Format „Mädelsabende“, so, wie es ist, hat also einfach seinen Platz und seine Community bei Instagram. Unsere Storys kann man – auf der Homepage von Funk – aber auch ohne Instagram-Zugang verfolgen. Und natürlich denken wir intensiv darüber nach, ob und wie „Mädelsabende“ oder ein „Ableger“ auch auf anderen Plattformen funktionieren kann.

Die Konzeption eines neuen Formats ist auch immer ein kreativer Versuch. Was hat denn beim Format „Mädelsabende“ mal nicht so gut geklappt wie erhofft?
Ein häufig kritisches Thema in der Redaktion ist auf jeden Fall die Arbeitsbelastung. Instagram macht, wenn man es ernst nimmt, sehr viel mehr Arbeit als man denkt.

Crossmediales Erzählen im Journalismus dient dazu, ein Thema auf verschiedenen Kanälen aufzubereiten und auszuspielen. Ist crossmediales Erzählen eine Entwicklung, die vor allem die Lebenswelten jüngerer Zielgruppen widerspiegelt oder wird es auch genutzt, um ältere Generationen zu erreichen?
Auf gar keinen Fall ist crossmediales Erzählen nur für jüngere Menschen gedacht. Crossmediale Formate kann es für alle Generationen geben. Das geht ja weit über soziale Netzwerke hinaus! Da gibt es schon so viele tolle Beispiele wie interaktive Hörspiele, nützliche Messenger-Dienste oder Reportagen, die im Fernsehen oder der Mediathek zu sehen sind und dann online weitererzählt werden.

Welche Rolle spielt die Möglichkeit zur Partizipation durch digitale Formate bei der Gewinnung neuer Zielgruppen?
Ich glaube, dass es für jüngere Menschen völlig selbstverständlich ist, dass sie sich in irgendeiner Form beteiligen können. Der Teil des Publikums, der mit Tageszeitung, linearem Radio- und Fernsehprogramm aufgewachsen ist, muss sich daran vielleicht erst gewöhnen. Die Möglichkeit sollte aber auf jeden Fall bestehen und von einer Redaktion auch ernst genommen werden.

"Auf schlechte Beiträge folgen häufig unmittelbar entsprechende Reaktionen."

In klassischen Medien erfahren journalistische Inhalte eine gewisse Authentifizierung durch die exklusive Ausstrahlung in beispielsweise TV oder Radio. Wie schafft man ein glaubwürdiges Format auf Social Media? 
Wer denkt, in Sozialen Medien könnten Medienschaffende in irgendeiner Form Abstriche bei der journalistischen Qualität oder der Sorgfalt der Themenauswahl machen, ist auf dem Holzweg. Das Gegenteil ist der Fall! Denn auf schlechte Beiträge folgen häufig unmittelbar entsprechende Reaktionen. Und das ist toll! Glaubwürdigkeit schafft man, indem man sorgfältig arbeitet und die Bedürfnisse des Publikums ernst nimmt. Aber auch, indem man Haltung zeigt und mit Fehlern angemessen umgeht.

Welche Zielgruppen und Lebenswelten sind für den Journalismus mit Blick auf die Formatentwicklung in nächster Zeit interessant?
Ich persönlich glaube, dass wir vor allem Menschen mit formal geringer Bildung in den Fokus nehmen sollten. Es ist eine besondere Herausforderung, die Inhalte für sie so zu verpacken, dass sie angenommen werden und Relevanz haben. Diese Aufgabe würde ich ungern anderen überlassen.

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