Versicherungen brauchen grünes Fachwissen
So genannte Underwriter schätzen Risiken ein, um maßgeschneiderte Versicherungsverträge zu erstellen – zum Beispiel für Agrarunternehmen (Foto: sima/Fotolia).

Versicherungen brauchen grünes Fachwissen

In Versicherungsunternehmen arbeiten viele grüne Fachkräfte. Mit ihrer Expertise beurteilen sie Risiken und Schäden – zum Beispiel im Umweltbereich.

Interview: Uwe Kerkow

Um Sturmschäden zu schätzen oder einen Landwirt zu versichern, ist Fachwissen unabdingbar. Für grüne Fachkräfte bieten Versicherungen deswegen vielfältige Tätigkeitsfelder. Dr. Katharina Höhn (Foto: BWV Bildungsverband/2013) ist Hauptgeschäftsführerin des Berufsbildungswerks der deutschen Versicherungswirtschaft (BWV). Der Verband entwickelt Aus- und Weiterbildungskonzepte und setzt sich für bildungspolitische Themen in der Versicherungsbranche ein. Im Interview erklärt sie, welche Studienfächer besonders gefragt sind.

WILA Arbeitsmarkt: Wie sieht der Arbeitsmarkt in der Versicherungswirtschaft aus?
Dr. Katharina Höhn: Wir bezeichnen unsere Branche gerne als Haus der 100 Berufe, denn die Berufsfelder sind sehr vielfältig. Und wir sind eine Branche, in der Fachkompetenz unabdingbar ist: Schließlich zählen wir fast 80 Prozent von den über 200.000 direkt bei Versicherungsunternehmen Beschäftigen zu den Fachkräften und Spezialisten. Hinzu kommen noch fast zehn Prozent Führungskräfte. Nach aktueller Statistik sind insgesamt 41.200 Akademiker in der Versicherungswirtschaft beschäftigt – also etwa jeder fünfte Mitarbeitende. Davon sind die knapp zwei Drittel Wirtschaftswissenschaftler, Juristen und Mathematiker. Hinzu kommen sechs Prozent Ingenieure und rund sieben Prozent Informatiker. Die verbliebenen 24 Prozent – das sind ja dann immer noch etwa 10.000 Stellen – verteilen sich auf andere Studienrichtungen.

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Welche Chancen bieten sich grünen Fachleuten mit einem Hochschulabschluss in der Versicherungswirtschaft?
Auch diese Gruppe hat durchaus Chancen in unserer Branche. Sie werden zum Beispiel als sachverständige Gutachter gebraucht, um Sturmschäden, Kontaminationen von Erdreich, Schäden nach Erdrutschen oder sonstige Umweltschäden einzuschätzen und zu bewerten. Ingenieure, Geologen, Chemiker und Biologen sind beispielsweise als Schadensermittler tätig. Sie unterstützen die Versicherungsunternehmen und deren Kunden bei Großschäden oder Schäden mit Bezug zu ihren jeweiligen Fachdisziplinen. Im Risikomanagement helfen sie versicherungswilligen Unternehmen, die für einen Versicherungsschutz nötigen Voraussetzungen zu definieren und zu schaffen. Auch als Underwriter werden Leute mit speziellen Fachkenntnissen gebraucht, um Großkunden und gewerbliche Kunden zu versichern, zum Beispiel in der Landwirtschaft.

Was sind Underwriter?
Underwriter sind Spezialisten, die vor Abschluss eines Vertrages die Versicherungsrisiken beurteilen und daraufhin einen Tarif sowie die Versicherungsprämien kalkulieren. Entsprechende, manchmal maßgeschneiderte Versicherungsverträge werden dann auch von den Underwritern unterzeichnet. Außerdem gibt es im Produktmanagement Aufgaben, die einen direkten Bezug zum Studium haben können – zum Beispiel bei Agrarversicherungen und Gartenbauversicherungen. Auch in der Marktforschung und für eine qualifizierte Kundenbetreuung sind immer wieder naturwissenschaftliche Kompetenzen gefragt.Generell gilt, dass die Expertise von Naturwissenschaftlern unabdingbar ist. Ihre fachliche Perspektive ermöglicht erst die Einschätzung der sich ständig verändernden Risiken. Außerdem werden sie aufgrund ihrer analytischen Fähigkeiten, ihrer strukturierten Vorgehensweise und ihrer Problemlösungsorientierung geschätzt. Last not least: Da Naturwissenschaften anspruchsvolle Studienfächer sind, bringen die Absolventen Geduld und Durchhaltevermögen mit – Eigenschaften, die in den Unternehmen gefragt sind.

"Die Rückversicherer brauchen Antworten auf Fragen wie zum Beispiel: Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Versicherbarkeit von Naturkatastrophen aus?"

Das ist eine breite Palette. Aber gibt es Bereiche, in denen grüne Fachleute besonders gefragt sind?
Ein besonderes Einsatzfeld für Naturwissenschaftler gibt es bei Rückversicherungsunternehmen. Sie haben generell einen hohen Bedarf an Spezialisten aus allen Disziplinen. Sie versichern wiederum die Versicherungsunternehmen gegen Großrisiken wie etwa Naturkatastrophen. In diesen Unternehmen werden besonders stark vernetztes Wissen und Kompetenzen über Fächergrenzen hinweg benötigt. Denn die Rückversicherer brauchen Antworten auf Fragen wie zum Beispiel: Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Versicherbarkeit von Naturkatastrophen aus? Da sind Experten aller Disziplinen gefragt – auch Geologen, Klimaforscher, Biologen und Absolventen vieler weiterer Studienfachrichtungen.

Wie sehen die Weiterbildungsmöglichkeiten in der Versicherungsbranche aus?
In der Versicherungswirtschaft gibt es ein überaus durchlässiges System beruflicher Weiterbildungsangebote. Man kann mit gezielter branchenanerkannter Weiterbildung, wie zum Beispiel unseren Expertenseminaren, Spezialistenlehrgängen oder auch durch Managerseminare gezielt auf ein Vorstudium aufsetzen. Dazu ist aber immer eine gewisse Berufserfahrung vonnöten. Daneben gibt es in vielen Versicherungsunternehmen Traineeprogramme, über die Akademiker einen Einstieg in ein Unternehmen finden können. Auch die werden häufig mit Weiterbildungsmaßnahmen begleitet.

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