Archäologie: Vielfältige Arbeitgeber
Fachkräfte der Archäologie sind auf Ausgrabungsstätten tätig - aber nicht ausschließlich. Foto: © Leonardo.Ai/KI-generiert

Archäologie: Vielfältige Arbeitgeber

Archäolog*innen sind oft draußen an Ausgrabungsstätten im Einsatz – aber nicht immer. Wir zeigen, in welchen Berufsfeldern archäologische Fachkräfte außerdem tätig sein können.

Text: Anja Schreiber

Ausgraben, analysieren, erforschen: Dass Archäolog*innen häufig wissenschaftlich an einer Hochschule arbeiten, liegt auf der Hand. Aber zur Wahrheit gehört auch: Nur ein Bruchteil der promovierten Archäolog*innen kann dauerhaft in Forschung und Lehre tätig sein. Insofern bieten auch außer-universitäre Forschungseinrichtungen interessante, wissenschaftliche Beschäftigungsmöglichkeiten. Dazu zählen beispielsweise das Leibniz-Zentrum für Archäologie (Leiza) und das Deutsche Archäologische Institut. Letzteres hat weltweit verschiedene Außenstellen, zum Beispiel in Rom, Athen, Istanbul oder Kairo. Für Fachkräfte also eine spannende Möglichkeit, außerhalb Deutschlands Arbeitserfahrung zu sammeln.

Bestimmte Spezialisierungen in der Archäologie können zudem neue berufliche Horizonte eröffnen. Dr. Doris Gutsmiedl-Schümann erklärt zwei davon: „Die Bioärchäologie befasst sich mit menschlichen Überresten und untersucht unter anderem das Ernährungsverhalten von Menschen, während sich die digitale Archäologie zum Beispiel mit Datenbanken und Geoinformationssystemen für die Analyse und Visualisierung von archäologischen Daten beschäftigt.“ Die Privatdozentin ist als Co-Sprecherin der AG „Wissen schafft Karriere“ beim Deutschen Archäologenverband e.V. (dArV) tätig. Aktuell nimmt sie eine Vertretungsprofessur für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie an der Universität Bonn wahr.

Archäolog*innen im Museum

Geforscht wird auch in Museen. Dort sind Archäolog*innen nicht nur für die Konzeption und Betreuung von Ausstellungen zuständig. Sie arbeiten auch an der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Funden, dokumentieren diese und publizieren ihre Ergebnisse. Eine wichtige Tätigkeit in Museen ist auch die Vermittlung des archäologischen Wissens. So kann es zu den Aufgaben der Fachkräfte dort gehören, Führungen oder Vorträge zu konzipieren und zu halten.

Inzwischen stellen auch kleinere regionale Museen Archäolog*innen an, so Doris Gutsmiedl-Schümann. „Diese Museen, die lange Zeit ehrenamtlich geführt wurden, professionalisieren sich immer mehr. So entstehen Stellen.“ Besonders spannend ist das für Fachkräfte, die nicht ausschließlich im archäologischen Themenfeld arbeiten wollen. Denn gerade in kleineren Institutionen müssen Mitarbeiter*innen oft auch fachfremde Tätigkeiten übernehmen, wie etwa Magazine für Funde und Archive betreuen oder Aufgaben in Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Marketing oder Museumspädagogik erfüllen.

Der Einstieg ins Museum gelingt beispielsweise über ein Volontariat. Aber: „Nicht alle Volontariate sind gleichermaßen empfehlenswert. Es kommt auf die Rahmenbedingungen an“, so Doris Gutsmiedl-Schümann. Nur, wenn das Volontariat mit einer inhaltlichen Weiterbildung verbunden sei, mache es Sinn.

Öffentlicher Dienst und Privatwirtschaft

Der öffentliche Dienst kann für Fachkräfte der Archäologie ebenfalls ein potenzieller Arbeitgeber sein. Die Zuständigkeiten im Bereich der Bodendenkmalpflege sind jedoch in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt. So sind beispielsweise in Nordrhein-Westfalen die Landschaftsverbände für Denkmalpflege dafür verantwortlich, in Niedersachsen hingegen das Landesamt für Denkmalpflege.

Hinzu kommen privatwirtschaftlichen Grabungsunternehmen, die sich auf kommerzielle Dienstleistungen im Bereich der archäologischen Denkmalpflege spezialisiert haben. „In manchen Bundesländern – wie etwa Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen – nehmen Privatfirmen im öffentlichen Auftrag Ausgrabungen vor, in anderen Bundesländern bleibt das Aufgabe der zuständigen Landesämter“, erläutert Doris Gutsmiedl-Schümann.

Gerade in Zeiten der Energiewende, in denen Stromtrassen sowie Solar- und Windparks gebaut werden, nimmt die Nachfrage nach diesen Dienstleistungen zu. Neben den Ausgrabungen selbst gehören auch Prospektionen – also die planmäßige Suche nach unentdeckten archäologischen Fundstellen – sowie die Dokumentation von Funden zu ihrem Tätigkeitsbereich. „Diese Firmen sind zum Teil relativ große mittelständische Unternehmen, die zwischen 60 und 100 Mitarbeiter*innen beschäftigen“, so Doris Gutsmiedl-Schümann.

Gefragtes Profil

Eine Ausschreibung der „Pro Arch Prospektion und Archäologie GmbH“ zeigt typische Anforderungen: ein abgeschlossenes archäologisches Studium – bevorzugt Vor- und Frühgeschichte, Mittelalter- oder Provinzialrömische Archäologie – mindestens zwei Jahre Grabungsleitungserfahrung, sehr gute Sprachkenntnisse sowie ein PKW-Führerschein. Ergänzend werden Flexibilität, Organisationsvermögen und selbstständiges Arbeiten erwartet – zentrale Fähigkeiten für den Einsatz auf Grabungsprojekten.

Auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) suchte für die Leitung der Außenstelle Münster der „LWL-Archäologie für Westfalen“ eine*n Archäolog*in mit Erfahrung in der Grabungsleitung. Insgesamt waren die Anforderungen vielfältig. So sollten die Bewerber*innen langjährige Erfahrungen in der bodendenkmalpflegerischen Arbeit und im Umgang mit Denkmalbehörden, in Geoinformationssystem-Programmen sowie in gängigen Bild-, Text- und Datenbankprogrammen mitbringen. Ein Führerschein der Klasse B war ebenfalls Voraussetzung.

Archäologie und Klimawandel

Doch egal, ob Forschung an der Hochschule oder die Arbeit im Museum: Was inzwischen eine große Rolle in der Archäologie spielt, ist der Klimawandel. Er ist einer der maßgebenden Treiber, der die Arbeit des Fachbereichs verändert – thematisch und alltäglich. So will die Forschung laut Deutschem Archäologenverband dazu beitragen, Klimaveränderungen in historischer Perspektive zu rekonstruieren und ihren Einfluss auf vergangene Gesellschaften zu verstehen.

Gleichzeitig verändert der Klimawandel auch die praktische Arbeit von Ärchäolog*innen: „Durch die klimatischen Veränderungen wandeln sich auch die Erhaltungsbedingungen für Funde“, weiß Doris Gutsmiedl-Schümann. So würden einerseits Fundstellen sichtbar, die zuvor unzugänglich gewesen seien. Andererseits würden Funde aber auch durch klimabedingte Veränderungen der Böden zerstört. 

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