Körperhaltung verbessern
Körperhaltung und -sprache sind wichtige Stellschrauben für Fachkräfte, die vor Menschen sprechen. Das Training der richtigen Körperhaltung kann gerade nervösen Personen dabei helfen, öffentliche Auftritte zu meistern. Hier einige Tipps.
Text: Christine Sommer-Guist
Feuchte Hände, das Herz pocht bis zum Hals, die Stimme klingt dünn, der Blick huscht unruhig hin und her oder klebt am Skript. Die Schultern ziehen sich nach vorne, krümmen den Rücken, das Atemholen fällt flach und kurz aus. Wer vor Publikum steht, spürt den Körper oft zu deutlich, empfindet ihn sogar als klein, unsicher, fast wie eine Entschuldigung dafür, überhaupt das Wort zu ergreifen. Genau darin liegt aber auch eine Chance. Denn die Körperhaltung ist nicht nur Ausdruck innerer Zustände, sie lässt sich auch gezielt steuern.
Der erste Eindruck entsteht in Sekunden und wird maßgeblich durch nonverbale Signale geprägt. Der Psychologe und Kommunikationsforscher Professor Doktor Albert Mehrabian hat bereits 1967 festgestellt, dass 55 Prozent der Wirkung einer Botschaft durch Körpersprache vermittelt werden, 38 Prozent durch die Stimme und nur 7 Prozent durch den Inhalt. Dass das auch heute noch gilt, bestätigt der Psychologe Doktor Simon Breil von der Universität Münster in einem auf der Hochschulwebsite veröffentlichten Interview von 2021: „Wenn eine Person zum Beispiel lächelt, geht das mit einer positiveren Persönlichkeitseinschätzung einher. Es wird davon ausgegangen, dass die Personen geselliger, fleißiger und intelligenter sind.“ Körperhaltung beeinflusst also nicht nur, wie andere uns sehen, sondern auch, ob wir als glaubwürdig, souverän und überzeugend gelten.
Hände bei der Präsentation
Bei Vorträgen oder wichtigen Gesprächen stehen viele zu steif, verlagern das Gewicht unruhig, vermeiden Blickkontakt oder verstecken die Hände. Die Ausstrahlung leidet, aber das lässt sich ändern. Eine souveräne Körperhaltung beginnt mit dem Fundament: dem stabilen Stand. Der gelingt, wenn Sie sich hüftbreit hinstellen, das Gewicht gleichmäßig verteilen, die Wirbelsäule aufrichten, Schultern entspannen und den Kopf gerade halten. Das ist die ideale Ausgangsposition jeder Präsentation.
Wer sie regelmäßig übt, kann sich in aufregenden Situationen damit erden und entspannen. Diese Haltung führt auch zu einer angenehmen Körperspannung, die Präsenz verleiht und den oder die Sprecher*in wach und fokussiert wirken lässt. Unterstützt wird sie durch eine bewusste Atmung, tief und ruhig in den Bauchraum. Das alles beruhigt nicht nur Sie, sondern wirkt auch auf andere entspannend.
Körperhaltung verbessern: Tipps im Vorfeld
- Gönnen Sie sich Tage, besser Wochen, vor wichtigen Terminen Zeit für eine Selbstanalyse. Beobachten Sie sich im Spiegel oder per Videoaufnahme und achten Sie auf Haltung, Gestik und Mimik. So erkennen Sie Muster und können gezielt daran arbeiten.
- Trainieren Sie Ihren Atem. Tiefe Bauchatmung beruhigt das Nervensystem und stabilisiert die Stimme.
- Üben Sie regelmäßigen Blickkontakt in Drei-Sekunden-Sprüngen. Suchen Sie sich dafür Fixpunkte im Raum als Stellvertretung für die Menschen, vor denen Sie sprechen werden. Schauen Sie abwechselnd zwischen dem imaginären Publikum und Ihren Notizen hin und her. So schaffen Sie eine Verbindung und signalisieren Sicherheit.
- Bereiten Sie Details vor: Formulieren Sie einen den klaren Einleitungssatz, der zu Ihnen und zur Situation passt. Legen Sie sich auf Ihre Startposition fest: Wo wollen Sie im Raum sein? Wollen Sie stehen oder sitzen?
- Planen Sie kleine Rituale kurz vor dem Auftritt, wie etwa ein kurzer Spaziergang oder Atemübungen. Auch die Power-Pose kann helfen: Stellen Sie sich für ein, zwei Minuten breitbeinig hin, reißen Sie die Arme hoch oder stützen Sie sie ihre Hände zu Fäusten geballt auf die Hüften. Das pusht Ihr Selbstvertrauen.
Wer sich körperlich souverän verhält, fühlt sich auch innerlich sicherer. Die Forschung spricht vom Embodiment-Ansatz: Körper und Geist beeinflussen sich gegenseitig. Wenn die Nervosität steigt, hilft es, sich auf den Körper zu konzentrieren – die Kontrolle über ihn zu gewinnen, beruhigt auch den Geist.
Körperhaltung verbessern: Im Moment
Sie stehen auf der Bühne, vor dem Kunden oder der Chefin und merken, Sie fallen in sich zusammen? Ein bewusster, tiefer Atemzug verbessert Ihre Körperhaltung direkt. Die dadurch entstehende Stabilität beruhigt. Und: Sie nehmen Raum ein. Auch bei Meetings oder im Small Talk gilt: Ihre Haltung spricht analog und digital mit. Schauen Sie die Menschen, zu denen Sie sprechen, offen an und sehen Sie diese als Freund*innen, die sich darauf freuen, von Ihnen zu hören. Achten Sie beim Sitzen auf eine aufrechte Position und vermeiden Sie das Verschränken der Arme. So wirken Sie präsent – auch ohne Worte.
Körperhaltung mit Profis trainieren
Wer trotz Vorbereitung bei Präsentationen in Schnappatmung verfällt oder sich immer unwohl fühlt, kann das ändern. Volkshochschulen, Hochschulen und private Institute bieten Rhetorikseminare, Schauspielkurse, Stimm- und Sprechtrainings oder Präsentationscoachings an. Dort üben Sie vor Publikum und erhalten direktes Feedback.
Wer die eigene Körperhaltung – mit und ohne Publikum – regelmäßig trainiert, wird sie bald wie ein Instrument spielen, sicher einsetzen und fühlen.

