Frauenquote - 10 Jahre
Die Frauenquote: Sie hat viel erreicht, aber noch lange nicht alles. Foto: © Leonardo.Ai/KI-generiert

Frauenquote - 10 Jahre

In großen deutschen Unternehmen sitzen so viele weibliche Fachkräfte wie noch nie zuvor. Was hat das Führungspositionengesetz seit 2015 angestoßen – und was kommt noch?

Text: Maria Köpf

Historischer Höchststand im DAX: Erstmals sitzen knapp 40 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten. Auch in den Vorständen liegt der Anteil mit mehr als 25 Prozent so hoch wie nie zuvor – viermal so viel wie noch 2015. Expert*innen führen diesen Erfolg auf das Führungspositionengesetz (FüPoG) zurück, das vor zehn Jahren in Kraft getreten ist. Ziel des Gesetzes ist es, den Anteil von Frauen in Führungspositionen sowohl im privaten wie im öffentlichen Sektor signifikant zu erhöhen.

Für die Privatwirtschaft bedeutet das beispielsweise, dass börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen einen festen Mindestanteil von 30 Prozent des unterrepräsentierten Geschlechts haben müssen. 2022 verfeinert das FüPoG II diese Vorgaben: Bei mehr als drei Mitgliedern muss der Vorstand eines börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmens mit mindestens einer Frau oder einem Mann besetzt werden.

Frauenquote: Wenig Wirkung außerhalb des DAX

Doch der Fortschrtt geht abseits großer Unternehmen schnell verloren: Besonders eklatant bleibt die Lücke laut Allbright Stiftung in Familienunternehmen: Dort stellen Frauen in den Geschäftsführungen der hundert größten Unternehmen lediglich rund acht Prozent, und daran hat sich in den vergangenen zwei Jahren kaum etwas geändert.

In einem Beitrag des ZDF sagt Wiebke Ankersen von der Allbright Stiftung zu dieser Dynamik: „Transparenz spielt eine große Rolle. Familienunternehmen haben weniger öffentlichen Druck und manchmal fehlt das Korrektiv. Je privater das Unternehmen, desto geringer der Anteil der Frauenquote.“ Denn für Unternehmen außerhalb der Börse oder ohne paritätische Mitbestimmung gelten keine Quotenvorgaben. Für sie gilt lediglich das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Damit sich das ändert, muss die Politik an wichtigen Stellschrauben drehen wie:

  • Verfügbare, bezahlbare Kita-Plätze
  • Abschaffung des Ehegatten-Splittings
  • Paritätische Elternzeitmodelle
  • Empowerment für Väter, Elternzeit zu nehmen

Unternehmen nach wie vor gefragt

Doch es geht nicht nur um politische oder unternehmerische Weichenstellung. Freiwillige Unternehmensinitiativen spielen ebenfalls eine Rolle. Das können neben flexiblen Arbeitszeitmodellen und hauseigenen Kitas auch die Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Arbeit sein.

Auch externe Gremien, insbesondere bei Familienunternehmen könnten helfen, Gleichstellung nicht allein dem guten Willen zu überlassen. Das ZDF zeichnet hier aber ein nüchternes Bild: Über Jahre habe man auf die Unternehmen gehofft – ohne Erfolg, erst die Quote änderte den Kurs.

Frauenquote: Warum ist sie wichtig?

Werden weibliche Fachkräfte in Spitzenpositionen häufiger und sichtbarer stärkt das die Selbstwirksamkeit junger Kolleginnen und regt zur Karriereplanung an. Dies kann dazu führen, dass bestehende Nachteile des Systems („Frauen arbeiten gerne in Berufen mit wenig Aufstiegschancen“) und alte Klischees wie „Frauen wollen keine Führungsfunktion haben“ abgelöst werden. Wenn auch nicht von heute auf morgen. Gleichfalls geht es auch darum, männliche Fachkräfte auf die Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen aufmerksam zu machen und in Maßnahmen einzubinden – unabhängig von ihrer Position.

Langfristig wirkt sich Diversität zudem positiv auf die Strukturen auch der unteren Ebenen aus – durch gerechtere Prozesse, mehr Transparenz und ein offeneres Klima. So können weibliche Führungskräfte nicht nur auf Entscheidungen zur Unternehmensausrichtung einwirken, sondern auch Personalprozesse so gestalten, dass sonst eher homogene Arbeitsbereiche durch verschiedene Perspektiven bereichert werden.

Weitere WILA-Angebote