So plant man ein Sabbatical
Um den Arbeitgeber von einem Sabbatical zu überzeugen, braucht man eine durchdachte Planung und gute Argumente. Foto: © Leonardo.Ai/KI-generiert

So plant man ein Sabbatical

Sie brauchen eine längere Auszeit vom Job? Wir klären die wichtigsten Fragen rund um das Sabbatical.

Text: Christine Sommer-Guist

Interessant, wie sich der biblische Begriff „Sabbatjahr“ in Personaletagen und Büro-Tagträumen etabliert hat. Ursprünglich bezeichnete er in der Tora ein Ruhejahr für Felder alle sieben Jahre. Heute steht ein Sabbatical für eine Berufspause. Es kann zwischen einem und zwölf Monaten dauern – und sich wiederholen! Denn allgemeine gesetzliche Regelungen dazu gibt es keine.

Einen Anspruch auf Sabbaticals haben Beamt*innen, Angestellte im öffentlichen Dienst und tarifbeschäftigte Lehrkräfte. Es gibt auch einige Tarifverträge, die Regelungen für solche Auszeiten enthalten. Aber die meisten Arbeitnehmer*innen müssen längere Pausen vom Job individuell mit ihren Arbeitgebern vereinbaren und organisieren.

Wie macht man ein Sabbatical?

In Deutschland haben sich verschiedene Modelle für die berufliche Auszeit etabliert, unter anderem:

  • Langzeitarbeitskonto: Sie sparen Überstunden und noch nicht verbrauchte Urlaubstage an. Dieses Zeitguthaben nehmen Sie während des Sabbaticals in Anspruch.
  • Teilzeit- oder Ansparmodell: Sie arbeiten Ihre vertraglich festgelegte Arbeitszeit von beispielsweise 40 Stunden, bekommen aber nur Geld für 25 Stunden. Auf diese Weise wird Gehalt angespart – wohlgemerkt über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg – das während des Sabbaticals ausgezahlt wird.

Diese Varianten sind die sichere Bank: Sie bieten ein finanzielles Netz und Planbarkeit, denn während der Auszeit laufen Gehalt und Sozialversicherungen weiter. Allerdings erfordert die Ansparphase – sei es von Zeit, Geld oder beidem – eben unter Umständen einen Einkommensverzicht sowie viel Disziplin und Geduld.

Etwas spontaner dagegen lässt sich eine unbezahlte Freistellung umsetzen – wenn der oder die Arbeitgeber*in hier mitmacht. Der Nachteil für Arbeitnehmer*innen: Sie erhalten in der Zeit kein Gehalt und müssen Lebensunterhalt sowie Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung aus eigener Tasche finanzieren.

Wie viel Geld braucht man für ein Sabbatical?

Insofern ist auch die Frage schwierig zu beantworten, wie viel ein Sabbatical kostet. Eine vom Unternehmen freigestellte Fachkraft benötigt sicher mehr als eine Person, die vorher ein Teil des Gehalts angespart hat. Ein ganzes Jahr ohne Job kostet mehr als nur drei Monate Auszeit. Und wer das gesamte Sabbatical auf Reisen verbringen möchte, braucht zusätzlich zu den laufenden Kosten zuhause noch Geld für die Urlaubskasse. Je nachdem nennen verschiedene Ratgeber als Kosten für ein Jahr Auszeit zwischen 10.000 und 30.000 Euro.

Sabbatical – was muss man beachten?

Besonders verbreitet ist das Sabbatical in akademischen Berufen, in der öffentlichen Verwaltung, der IT-Branche, im Bildungswesen sowie in großen Konzernen. Kleinere Betriebe mit wenigen Angestellten hingegen haben Schwierigkeiten, die Lücke zu füllen. Hier können Arbeitnehmer*innen aber punkten, wenn sie sich vor dem Gespräch mit den Vorgesetzten konkrete Gedanken machen, was mit ihren Aufgaben während der Abwesenheit geschehen könnte.

Generell empfiehlt sich ein frühzeitiges Gespräch – siehe mögliche Ansparphasen von Zeit oder Geld – mit einem durchdachten Konzept. Zu klären sind dabei: Zeitraum und Dauer der Auszeit, Vertretungsregelung, Rückkehrmodalitäten sowie Gehalts- und Versicherungsfragen. Idealerweise enthält der Vertrag auch Regelungen zu einer früheren Rückkehr, falls das Sabbatical vorzeitig beendet werden muss. Ebenso hilfreich sind Vereinbarungen zur betrieblichen Altersversorgung, dem Kündigungsschutz oder der Wiedereingliederung nach der Auszeit.

Ein schriftlicher Vertrag hilft, Missverständnisse zu vermeiden und schafft Klarheit – auch für die Kommunikation mit den Kolleg*innen. Sie sollten, wie die Vorgesetzten, frühzeitig eingebunden werden, um gegebenenfalls Aufgaben zu übernehmen und Vertretungen zu organisieren. Wer die Auszeit auf diese Weise rechtlich gut absichert sowie strategisch und kollegial vorbereitet, profitiert davon privat wie beruflich.

Arbeitgeber vom Sabbatical überzeugen: Argumente

  • Sabbaticals helfen, Abstand zu gewinnen, neue Erfahrungen zu sammeln und Soft Skills zu erwerben, die für das Unternehmen wertvoll sein können.
  • Auszeiten erleichtern – zumindest zeitweise – die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und tragen somit zur Berufs- und Lebenszufriedenheit bei.
  • Unternehmen stärken mit dem Angebot ihre Position im Wettstreit um Nachwuchskräfte und stärken zugleich die Motivation und Bindung der Mitarbeiter*innen.
  • Das Erfahrungswissen der Beschäftigten bleibt dem Unternehmen erhalten.
  • Hat ein Unternehmen aktuell zu wenig Arbeit, kann die (unbezahlte) Freistellung von Mitarbeiter*innen den Betrieb entlasten und somit Arbeitsplätze erhalten.
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