Der empathische Stratege
Menschen wieder an eine Arbeitsstelle zu vermitteln, hat die höchste Priorität. Damit das gelingt, gehört unter anderem Bewerbungstraining zum Repertoire von Jobcoaches.

Der empathische Stratege

Zuhören, Hindernisse erkennen, Lösungen finden: Als Coach steht Furkan Cat Menschen während der Jobsuche zur Seite. Er hilft ihnen, Hürden auf dem Weg ins Arbeitsleben zu überwinden.

Text: Katrin Poese

Einst hat Medienpsychologe Furkan Cat sich selbst beraten lassen. Heute bietet er Jobsuchenden Orientierung. Foto: privat

Lang- und Kurzzeitarbeitslose, Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund, Studienabbrecher*innen und Hochschulabsolvent*innen, Alleinerziehende, junge Menschen oder Personen über 50 Jahre – der Kundenkreis der Ingeus GmbH ist groß. Wenn Menschen auf Jobsuche einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein erhalten, können sie ihn bei spezialisierten Dienstleistern wie der Ingeus GmbH einlösen und erhalten dort Beratung und Unterstützung bei der Jobsuche.

Melden sich Neukund*innen an, entscheidet ein*e Projektleiter*in, welche Jobcoaches sich um wen kümmern. Hier kommt Furkan Cat ins Spiel: Als Jobcoach und Workshopleiter bei Ingeus betreut er die Kund*innen sowohl in Einzelgesprächen als auch in der Gruppe.Dabei ist der Arbeitsalltag des 33-Jährigen aus dem bayerischen Landkreis Ansbach eng getaktet: Am Standort Fürth kümmert er sich wöchentlich um 15 bis 20 Kund*innen, dazu kommen Workshops – momentan als Webinare.

Bei all dem gilt der so genannte Work-First-Ansatz: die Menschen wieder an eine Arbeitsstelle zu vermitteln, hat die höchste Priorität. Um das zu erreichen, muss Furkan Cat mit seinen Kund*innen an verschiedenen Baustellen arbeiten. Im einfachsten Fall reicht es, wenn der Jobcoach mit ihnen Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse durchgeht. „Viele sind bei Bewerbungen erfolglos, weil sie das Schema nicht einhalten“, sagt Cat. Manchmal gibt es auch schwerwiegendere Hemmnisse – hier ist Empathie gefragt, um herauszufinden, woran es hängt. „Man muss erstmal alles aufnehmen und richtig verstehen“, erklärt der Jobcoach – aktives Zuhören sei dafür sehr wichtig. 

Individuell beraten

Dann gilt es zu entscheiden, welche Strategie die richtige ist. Dabei berücksichtigt Furkan Cat die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt, das persönliche Qualifikationsprofil, die Standortbedingungen und das gewünschte Ziel. Muss man gemeinsam am Selbstmarketing feilen? Geht es um eine Neuorientierung? Neben den Gesprächen mit den Kund*innen unterstützt Furkan Cat auch bei den organisatorischen Dingen: Er bleibt im Austausch mit dem Jobcenter, kümmert sich um Sprachkursanmeldungen, fragt bei den zuständigen Stellen für die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen nach, informiert über Möglichkeiten für Weiterbildungen und Praktika und versucht über das Arbeitgebernetzwerk seiner Firma schnell an passende Kontakte zu kommen.

Bei ernsten Hindernissen wie psychischen Erkrankungen stellt er zunächst den Kontakt zu Beratungs- und Therapiestellen her. Bei all dem ist Geschick als Analytiker, Motivator und Problemlöser gefragt – und auch eine gewisse professionelle Distanz. Denn die Jobcoaches sind nicht als persönliche Assistent*innen zu verstehen. Bei all der Unterstützung muss Furkan Cat von Anfang an klar machen, welche Mitarbeit er von den Kund*innen erwartet. „Die Menschen sollen durch die Maßnahme einen Aktivierungs- und Lerneffekt haben, so dass sie sich später eigenständig bewerben können“, sagt er.

Fähigkeiten nutzen

Eine weitere Zielgruppe sind hochqualifizierte Akademiker*innen, Fach- und Führungskräfte, denen ein spezielles Karrierecoaching angeboten wird. Um diese zukünftig ebenfalls betreuen zu können, erwirbt Furkan Cat gerade die Lizenz für Systemische Beratung. Die Weiterbildung ist für den 33-Jährigen der letzte fehlende Baustein für seine Tätigkeit als Jobcoach und Workshopleiter, die er seit gut zwei Jahren ausübt. 

Vorher hatte er selbst erfahren, wie wichtig eine gute Beratung für die berufliche Orientierung sein kann. Nach dem dualen Bachelorstudium Digitale Medien, einem Masterabschluss in Medienpsychologie und Arbeitserfahrung in zwei Unternehmen war er ein Jahr lang arbeitslos. Beratung bekam er damals bei Ingeus in Nürnberg und lernte das Unternehmen so aus der Kunden-Perspektive kennen. „Man beobachtet ja die Arbeitsatmosphäre: Alle waren hilfsbereit und nett, die Atmosphäre entspannt“, sagt Cat. Als eine Stelle als Jobcoach frei wurde, passte seine Bewerbung gut. 

Die Berufsberatung hat ihm geholfen zu sehen, dass er Fähigkeiten mitbrachte, die ein Jobcoach braucht: Wichtig sind gelungenes Zeitmanagement, Kommunikations- und Organisationstalent, ein Gespür für Menschen, Interkulturelles Verständnis, Geduld und die Fähigkeit, Grenzen zu setzen. Furkan Cats Kolleg*innen bringen unterschiedliche berufliche Hintergründe von Sozialpädagogik bis Informatik mit, sie haben teils selbst Brüche im Lebenslauf, einen Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung. 

Bei den spezifischen Herausforderungen als Jobcoaches helfen ihnen auch interne Fortbildungen und der Austausch in der Intervision. Furkan Cat profitiert in seiner Arbeit außerdem von seinen Sprachkenntnissen: Er ist der einzige Ingeus-Coach im Raum Nürnberg-Fürth, der auch auf Türkisch beraten kann.

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