Für manche ist es ein harter langer Weg bis man im Berufsleben richtig ankommt. Foto: Fotolia.de / kichigin19

"Jetzt sage ich: Endlich habe ich es geschafft"

Als Lagerarbeiter gestartet, mehrere Jahre arbeitslos - und heute erfolgreiche Führungskraft: Ein Biologe erzählt von seinem beruflichen Lebensweg.

1970 geboren, erlaubte ich mir, meiner Leidenschaft, der Biologie nachzugehen und begann 1992 das entsprechende Studium an einer Universität in Deutschland.

Leider wurde ich während meines Studiums mit einigen Schicksalsschlägen aus meinem Privatleben konfrontiert, mit denen ich in meinen jungen Jahren noch nicht richtig umzugehen wusste.

1998 brach ich das Studium ab und ging irgendwo arbeiten, um Geld zu verdienen. Dies ermöglichte mir eine vom Arbeitsamt finanzierte Umschulung, in meinem Fall zum Schreiner.

"Enthusiastisch suchte ich in verschiedenen Berufsfeldern vergebens nach einem sinnvollen Job"

Ich sammelte in diesem Beruf einige z.T. sehr anstrengende und auch zermürbende Jahre Berufserfahrung, bis mein Vater starb (meine Mutter konnte ich zu diesem Zeitpunkt bereits nur noch auf dem Friedhof besuchen und ich war bis dato verheiratet, 2 Kinder und Eigenheim inklusive).

Von dem kleinen Vermögen, was mir blieb, entschied ich (nach Rücksprache mit meiner Gattin!), mein Biologiestudium zu beenden, welches ich tatsächlich dann im Alter von fast 40 Jahren im Jahr 2010 sehr erfolgreich absolvierte.

Enthusiastisch suchte ich in verschiedenen Berufsfeldern vergebens nach einem sinnvollen Job als Biologe, Akademiker o.ä., bis mir/uns das Geld ausging und ich deshalb bei einer Versandfirma anheuerte, in der ich fast 2 Jahre im Lager arbeitete – „als Akademiker!“

Als der Zeitvertrag auslief, finanzierte mir das Arbeitsamt eine technische Ausbildung, die sehr gut mein Studium als Biologe ergänzte, woraufhin ich im Anschluss sofort eine Anstellung in gehobener Position fand.

Leider hat mein damaliger Chef nicht nur mein Fachwissen und die Eingliederungsvereinbarung des Arbeitsamts ausgenutzt, sondern wirtschaftete seinen Betrieb auch mithilfe seines stark ausgeprägten ADHS-Syndroms innerhalb kürzester Zeit beinahe ins Aus. Als Folge wurde mir – und auch vielen anderen Mitarbeitern – gekündigt.

"Endlich war ich dort, wo ich schon immer hin wollte"

Nur wenige Tage später wurde ich in einem kleinen, aber renommierten Planungsbüro angestellt. Endlich war ich dort, wo ich schon immer hin wollte: Vorwiegend freie Zeiteinteilung, selbstständige Arbeitsweise, ein Tag pro Woche im Homeoffice, viel Freilandtätigkeit.

Doch nach bereits neun Monaten kam aufgrund schlechter Auftragslage auch hier für mich die Kündigung.

"Meine Lage war nicht einfach"

Im Anschluss war ich über zwei Jahre arbeitslos. Während dieser Zeit absolvierte ich eine Weiterbildung zum Qualitätsmanagementbeauftragten und zum Projektmanager, außerdem durchlief ich drei Bewerbungscoachings.

Meine Lage war natürlich nicht ganz einfach: Mitte 40, Hochschulabsolvent mit nur eineinhalb Jahren Berufserfahrung, mehrere Berufe, hier und da gearbeitet, nichts Ganzes, nichts Halbes und in der Zwischenzeit auch noch geschieden (weil ich zu oft arbeitslos war – welch Ironie...).

"Dann ging alles ganz schnell: Montags beworben, Donnerstag Anruf"

Ich bewarb mich irgendwann auf eine fast nichtssagende Stellenausschreibung im Bereich Qualitätsmanagement, die ich anfangs für ein Fake hielt.

Dann ging alles ganz schnell: Montags beworben, Donnerstag Anruf, am selben Abend noch zwei Stunden lockeres Vorstellungsgespräch, am Montag darauf Arbeitsbeginn. Noch in der ersten Arbeitswoche gab´s den unbefristeten Arbeitsvertrag. 

Ich arbeite jetzt seit gerade mal 3 Monate fernab der Biologie in einer Führungsposition mit viel Verantwortung. Kein Freiland, sondern Industrie. Freie Zeiteinteilung ohne Homeoffice.

Regelmäßige Dienstreisen, bald mit eigenem Firmenfahrzeug. Ich bin die „Nr. 2 im Betrieb und mein Chef lässt mir alle Freiheiten. Endlich kann ich meine Erfahrung einbringen, mein Wissen anwenden und meine Fähigkeiten und Kompetenzen ausleben. Gutes Geld für ehrliche Arbeit, die mir richtig Spaß macht. Prognose: Ein nahezu krisensicherer Arbeitsplatz bis zur Rente.

Jetzt sage ich: Endlich habe ich es geschafft!

Mit diesem Beispiel möchte ich anderen sagen: Gebt nicht auf!

Lest Stellenanzeigen genau, lasst euch aber nicht abschrecken. Oft wird eine eierlegende Wollmilchsau gesucht, die es auf dem Arbeitsmarkt gar nicht gibt.

Hakt nach einer Absage nach, woran es lag, aber ohne aufdringlich zu sein. Verbessert eure Bewerbungsunterlagen, wir leben in einer modernen, schnelllebigen und elektronischen Welt.

Weiterbildung kann nie schaden. Sucht euch Nischen, wenn ihr über den Hauptberuf keine Stelle bekommt. Fragt Freunde und Bekannte, aber ohne Mitleidsnummer – kurze Schilderung, was Ihr könnt und dass ihr auf der Suche seid. Eure Freunde und Bekannten sollen die Nachricht weitergeben.

Wenn ihr nur fünf Freunden Bescheid gebt und jeder von denen wieder fünf Freunden usw... Vernetzt euch, bewerbt euch initiativ! Nutzt alle Möglichkeiten! Gebt nicht auf, irgendwo da draußen gibt es für jeden, der arbeiten will, auch einen Job! Viel Erfolg bei der Jobsuche, ihr schafft das!

Dem WILA-Team möchte ich danken, auch, wenn ich meine entscheidende Stellenausschreibung nicht hier gefunden habe. Ihr wart mir jahrelang ein treuer Begleiter, der mir durch den Dschungel der Stellenangebote half und alle verfügbaren Jobs jede Woche schön sortiert wie auf dem Silbertablett präsentierte.

Aber gerade die Artikel, die neben der Stellensuche gedruckt wurden, waren überaus hilfreich für mich. Vor allem, da ich sehen konnte, dass ich als Akademiker und Arbeitsloser mit meinen Problemen nicht allein war.

  • Infodienst-Trainee-StellenDer Artikel ist im Infodienst WILA Arbeitsmarkt erschienen. Jede Woche werden dort mehrere hundert Stellen zusammengestellt.
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