So gelingt die Rückkehr: Drei Erfahrungsberichte
Winfried Steiner war viele Jahre Entwicklungshelfer in Bolivien und Costa Rica - und ist eine Art Idealfall für die Rückkehr.

So gelingt die Rückkehr: Drei Erfahrungsberichte

Entwicklungszusammenarbeit: Wie schafft man es, nach mehreren Jahren im Ausland wieder einen Job in Deutschland zu finden? Drei Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer berichten.

Zum Hintergrund: Für viele Entwicklungshelfer ist die Rückkehr nach Deutschland nicht einfach. Manche sprechen von einem Kulturschock. Andere berichten, wie sich der Arbeitsmarkt gewandelt hat. Aber es gibt auch viele Positivbeispiele, wie die Rückkehr gelingt. Hier lesen Sie den ausführlichen Hintergrundbericht

Und hier berichten drei Rückkehrer, wie es ihnen ergangen ist: 

Winfried Steiner: „Ganz andere Stürme gemeistert“

Winfried Steiner ist eine Art Idealfall, wenn es um den beruflichen Wiedereinstieg geht. Seit Mitte der 1980er Jahre arbeitet der Forstwirt bei den Landesforsten Rheinland-Pfalz. „Der Weg war geradlinig vorgezeichnet: Beförderung, Verbeamtung und irgendwann Pension.“ Ihn habe es jedoch gereizt, eine andere Kultur und Sprache sowie Tropenwälder kennenzulernen.

Steiner ging deshalb als Entwicklungshelfer acht Jahre nach Bolivien und beriet indigene Völker bei der Verbindung von Land- mit Forstwirtschaft. Später folgte ein ähnlicher Einsatz über sechs Jahre in Costa Rica. In beiden Fällen erhielt der Beamte eine Beurlaubung. „Deswegen lief meine Rückkehr relativ problemlos, auch dank guter Kollegen“, so der 57-Jährige. Einzig die Einarbeitungszeit sei beim zweiten Mal länger gewesen. „Früher hat man als Förster alles gemacht, heute ist das stark spezialisiert.“

Steiner ist bei den Landesforsten inzwischen für die Holzvermarktung tätig  – viel Vertragswesen, viele Verhandlungen. Die ganzheitliche Sichtweise auf den Wald, die er im Ausland gewonnen hat, gehe im Arbeitsalltag leider unter. „Aber ich bin im Job viel gelassener geworden.“

Christiane Averbeck: „Letztlich hat es gepasst“

Christiane-Averbeck-Entwicklungsjobs„Mein Lebenslauf ist nicht so einfach“, sagt Christiane Averbeck und schmunzelt. Sieben Jahre lang half die projekterfahrene Biologin bei der Rehabilitation von Leprakranken in Uganda. Mit ihrem Fach hatte das zwar nichts zu tun. „Das hat mir aber geholfen, weil ich Fragen gestellt habe, die andere nicht gestellt hätten.“

Da es sich um eine Halbtagsstelle handelte, blieb Zeit für Recherchen zur nachhaltigen Ressourcennutzung, die Averbeck nach der Rückkehr in einer Doktorarbeit verwertete. Anschließend ging sie zum Rat für Nachhaltige Entwicklung ins politische Berlin.

Doch nach einer Weile kribbelte es wieder. „Als Entwicklungshelfer/in kann man sehr konkret mit den Menschen vor Ort arbeiten, vom Bauern bis zum Minister, was sehr befriedigend sein kann.“ Sie kümmerte sich daher in Simbabwe um den Aufbau einer kirchlichen Friedenskommission, anschließend koordinierte sie bis 2014 das Landesbüro des Zivilen Friedensdienstes.

Heute ist die 55-Jährige Geschäftsführerin der Klima-Allianz Deutschland. Viele ihrer dortigen Aufgaben, etwa im Bereich Organisationsentwicklung, überschnitten sich mit denen aus ihrer Dienstzeit. „Da ist ganz viel sehr ähnlich.“

Rückkehrer/innen sollten ihre berufliche Zukunft proaktiv angehen, rät Averbeck. Zugleich solle man nichts übers Knie brechen. „In unserer globalisierten Welt mit Themen wie Klimaschutz oder Flüchtlinge sind unsere Erfahrungen gefragter denn je“, zeigt sie sich überzeugt – und verweist auf ihr Beispiel: „Obwohl ich so viele unterschiedliche Sachen gemacht habe, hat letztlich alles gepasst.“

Wolfgang Broszat: „Immer die Antennen ausfahren“

Broszat-EntwicklungsjobsWolfgang Broszat wusste seit seinem Studium der Agrarwirtschaft in Witzenhausen, dass er in die EZ wollte. „Es gab dort damals einen internationalen Bereich, in dem es um entsprechende Probleme ging“, erzählt er. „Das weckte meine Neugier, mich in einem anderen Kulturkreis auszuprobieren und dort was zu bewegen.“

Als Entwicklungshelfer beriet Broszat zunächst dominikanische Bauerngruppen; nach einem Aufenthalt in Deutschland coachte er Lehrer in einer landwirtschaftlichen Berufsschule in Nicaragua.

Seine Rückkehr 2001 empfand er als „ziemlich ernüchternd“. Zwar habe die damalige rot-grüne Bundesregierung den Ausbau des Ökolandbaus forciert. „Allerdings sind die Stellen in diesem Bereich trotz hoher Ansprüche oft schlecht bezahlt.“

Heute arbeitet der 58-Jährige bei einem international operierenden Zertifizierer für Biolebensmittel, wo er für die asiatischen Kunden zuständig ist. „Ohne meine Zeit als Entwicklungshelfer hätte ich diese Stelle nicht bekommen. Denn Sprachkenntnisse sowie der interkulturelle Hintergrund sind da sehr wichtig.“

Für den beruflichen Wiedereinstieg rät Broszat, räumlich flexibel zu sein. Zudem solle man „immer die Antennen ausfahren“, etwa bei den Rückkehrertagen der anerkannten Entsendedienste oder der AGdD. Was er sich weiterhin wünschen würde? „Für Entwicklungshelfer, die sich bewähren und in dem Bereich bleiben wollen, sollte es die Option geben, dass nicht nach drei oder vier Jahren Schluss ist.“

Steiner empfiehlt Rückkehrer/innen, Zukunftspläne nicht zu hoch zu hängen. Zugleich helfe es, aus den Erfahrungen Selbstbewusstsein zu schöpfen. Ja, eine Rückkehr sei nicht leicht. „Aber im Entwicklungsdienst gibt es ganz andere Stürme zu meistern."

Text: Roy Fabian, Foto W. Steiner: privat, Foto C. Averbeck: Klima-Allianz Deutschland; Foto W. Broszat: Kiwa BCS Öko-Garantie

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