So klappt es mit dem Trainee-Job
Viele Fragen, viel zu lernen: Eine Trainee-Stelle ist ein gutes Sprungbrett in das Arbeitsleben. Unter Absolventinnen und Absolventen wird der Trainee-Job immer beliebter. Foto: Clipdealer

So klappt es mit dem Trainee-Job

Traineeprogramme entwickeln sich zu einem beliebten Modell des Berufseinstiegs. Doch die Konkurrenz ist groß - vor allem bei beliebten Arbeitgebern. Wie bekommt man eine Stelle?

Text: Annika Voßen 

Wer derzeit nach einer Trainee-Stelle sucht, wird tausende Treffer bekommen. Denn es gibt längst nicht mehr nur die klassischen Programme, die von Banken und Versicherungen angeboten werden, sondern Stellenangebote aus den verschiedensten Branchen. Darunter sind unter anderem Unternehmen aus der Beratungsbranche, Kommunikationsunternehmen, Medienunternehmen, aber auch Pressestellen und Marketingfirmen.

Traineestellen sind üblicherweise für die Bereiche Vertrieb, Controlling, IT, Personal, Marketing, Forschung und Entwicklung sowie Logistik ausgeschrieben. Typische Zielgruppe: Wirtschaftswissenschaftler/innen und Ingenieur/innen sowie oft Informatiker/innen. Doch diese Form des Berufseinstiegs zielt inzwischen auf weit mehr Akademikergruppen. Bei manchen Traineestellen wird kein spezielles Studienfach als Voraussetzung genannt – etwa im Personalwesen. Aber es gibt auch einige speziell auf Geisteswissenschaftler/innen zugeschnittene Trainee-Programme. 

Praxisbeispiel: Traineeprogramm im Verlag

Karen Rinke ist eine jener Geisteswissenschaftler/innen, die ein solches Einstiegsprogramm durchlaufen hat. Seit einem Dreivierteljahr ist sie Junior-Produktmanagerin beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft. Zuvor hat sie das einjährige, sogenannte rollierende Traineeprogramm bei jenem Verlag in Bonn absolviert, der damit wirbt, dass 90 Prozent der Trainees im Unternehmen bleiben. Zu der Verlagsgruppe gehören verschiedene Fachverlage. Im Unterschied zu den Fachmedien-Trainees, die sich hier von Beginn an auf einen Verlagsbereich konzentrieren, lernen rollierende Trainees wie Karen Rinke unterschiedliche Unternehmensbereiche kennen. Dabei dürfen sie auch eigene Wünsche äußern.

„Eigentlich wechselt man jedes Quartal. Ich war aber mit meiner zweiten Station sehr zufrieden und habe dort während meiner Traineezeit bereits ein Übernahmeangebot bekommen. Ich hatte insgesamt also nur zwei Stationen – ich war beim Fachverlag ProMedia, der unter anderem Ärzte und Ärztinnen anspricht und beim Fachverlag mediaforwork, bei dem ich Produkte für Assistentinnen und Sekretärinnen betreut habe – und jetzt weiterhin betreue.“

Die 29-Jährige hat ihren Bachelorabschluss in English Studies mit Nebenfach Medienkommunikation und Optionalfach Spanisch in Bonn gemacht. Zuvor hatte sie bereits eine Ausbildung zur Industriekauffrau abgeschlossen. Der Bereich Marketing war für sie Neuland.

Der Bewerbungsprozess: Ein mehrstufiges Verfahren 

Von Bewerberinnen und Bewerbern für eine hochwertige Traineestelle, egal in welcher Branche, wird in der Regel ein guter bis sehr guten Hochschulabschluss erwartet – der Bachelor ist zumeist ausreichend. Außerdem wird oft Erfahrung in Form von Praktika oder erster Berufseinsätze vorausgesetzt.

Gute Fremdsprachenkenntnisse gehören ebenfalls zum Anforderungsprofil. Längere Auslandserfahrung wird deshalb gern gesehen, ebenso wie soziales Engagement. Auch Projektmanagement-Erfahrung, eine hohe Eigenverantwortlichkeit, kaufmännisches Denken und sicheres Auftreten wird in mancher Stellenanzeige genannt. Offenheit und Flexibilität sind entscheidend.

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Die Konkurrenz um hochwertige Traineestellen ist groß. Wichtig ist daher, dass schon der erste Eindruck – das Bewerbungsanschreiben – überzeugt. Deutlich werden sollten hier Motivation, bisherige Erfolge, Ziele, Fähigkeiten und Erfahrungen, die dem Unternehmen nutzen. Es gilt, aus der Masse herauszuragen, eine Persönlichkeit erkennen zu lassen.

Das weitere Bewerbungsverfahren unterscheidet sich dann von Unternehmen zu Unternehmen. Manche belassen es bei einem Vorstellungsgespräch. Andere, wie die Deutsche Telekom etwa, setzen auch auf ein mehrstufiges Auswahlverfahren – Telefon-interview, Assessment-Center, Auswahlgespräch mit der Fachabteilung. Auch psychologische Testverfahren, etwa Fragebögen, die man zu Hause ausfüllt, kommen zum Einsatz, um die Soft Skills herauszufinden.

Bei Karen Rinke verlief das Auswahlverfahren für ihr Traineeprogramm mehrstufig und zügig: Schriftliche Bewerbung, ein kurzer Persönlichkeitstest, ein Online-Assessment, bei dem zum Beispiel mathematische und sprachliche Fähigkeiten abgefragt wurden, und schließlich ein Vorstellungsgespräch mit einer Recruiting-Managerin und der Leiterin des Traineeprogramms. „Zwischen Bewerbung und Zusage lag vielleicht ein Monat“, erinnert sich Karen Rinke.

Der Start: Früh Verantwortung übernehmen 

Was sie überraschte und auch stolz machte im Traineeprogramm: Nach einigen Wochen bekam sie bereits die Verantwortung für das Ausgabenmanagement einer Fachzeitschrift übertragen. In ihrer zweiten Station war sie dann für das Produktmanagement einer Lose-Blattsammlung und einer Fachzeitschrift zuständig. „Wir arbeiten mit externen Autoren und Chefredakteuren zusammen. Als Trainee koordiniert und kontrolliert man ganz viel den redaktionellen Prozess, plant die Werbung für die Publikationen und muss die Zahlen für das eigene Produkt im Blick haben.“

„Bei uns herrscht eine Fragekultur. Man bekommt sehr, sehr viel Input, wenn man Fragen stellt.“

Unterstützt werden die Trainees bei Bedarf von ihren Kollegen, die gerne weiterhelfen. „Bei uns herrscht eine Fragekultur. Man bekommt sehr, sehr viel Input, wenn man Fragen stellt.“ In beiden Stationen hatte Karen Rinke auch eine persönliche Ansprechpartnerin, die ihr die Abläufe erklärt, und ihr immer wieder gezeigt hat, an was sie selbst arbeitete. An was die anderen Trainees arbeiteten, erfuhr Karen Rinke jedes Quartal im gemeinsamen Mitarbeitergespräch, zu dem alle fünf Trainees, die gemeinsam angefangen hatten, eingeladen wurden.

Mit ihrem Traineegehalt war Karin Rinke zufrieden, es lag nicht weit vom Gehalt eines Direkteinstiegs entfernt. Der Verlag investiert auch viel in die theoretische Ausbildung der Trainees in Form von Veranstaltungen und Seminaren. Nach dem Traineeprogramm wird für jeden Verlagsmitarbeiter ein Brutto-Monatsgehalt für die Weiterbildung zur Verfügung gestellt. Der Verlag selbst hat ein großes Angebot an Veranstaltungen und Seminaren, für die Experten in den Verlag eingeladen werden. Die Mitarbeiter/innen können sich jedoch auch für externe Angebote entscheiden.

Der Ablauf: Stationen und Weiterbildung  

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Von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen lernen / Foto: Clipdealer 

Nirgendwo ist definiert, was ein Traineeprogramm genau ist und wie die Ausgestaltung aussieht. Die Spannbreite reicht vom hochwertigen Ausbildungsprogramm für die nächste Management-Generation bis hin zum einjährigen, gering bezahlten Praktikum.

Bei einem hochwertigen Programm ist die Jobrotation die Regel, Trainees erhalten Einblicke in die verschiedenen Fachabteilungen eines Unternehmens. 4,2 Stationen werden durchschnittlich durchlaufen. Dabei kann es sein, dass die Zielposition bereits feststeht oder sich erst im Verlauf herauskristallisiert. Je nach Unternehmen gibt es Fachtraineeprogramme, die Spezialisten für eine bestimmte Stelle ausbilden, oder Traineeprogramme, die sich an Generalisten richten.

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Oft dürfen Trainees mitentscheiden, wo sie eingesetzt werden, die Programme werden individuell angepasst. Ein Traineeprogramm dauert in der Regel zwischen 12 und 24 Monaten – die Staufenbiel-Studie „Jobtrends Deutschland 2016“ ermittelte den Durchschnittswert von 16,6 Monaten. 

Weiterbildung – die sogenannten trainings-off-the-job – wird in Form von Seminaren, Workshops und Feedbackgesprächen angeboten. Auch hier wird in den Ausschreibungen oft betont, dass es sich um „individuelle“ Weiterbildungsangebote handelt. Mentorinnen oder fachliche Betreuer begleiten die berufliche Entwicklung. Auch Auslandsstationen gehören bei großen Unternehmen zum Programm.

Wer Trainees als seine Führungs- und Fachkräfte von morgen ansieht, steckt als Arbeitgeber viel Zeit und Geld in deren fachliche und persönliche Ausbildung. Dabei wird – wie im Fall von Karen Rinke – die Übernahme angestrebt, auch wenn viele Traineeverträge zunächst befristet sind. Manche Trainees bekommen aber auch gleich einen unbefristeten Vertrag. 

Einschätzung: Was ist ein gutes Trainee-Programm?

Ein hochwertiges, faires Traineeprogramm kann man an ein paar Punkten erkennen: Verantwortungsvolle Aufgaben, Übernahmeperspektiven, regelmäßige Weiterbildungen, Jobrotation, eine umfassende Betreuung sowie eine hinreichende  Dauer. Auch ein angemessenes Gehalt ist ein Indikator.

Allerdings finden sich unter der Überschrift „Trainee gesucht“ auch Stellen, die als bessere Praktika kaum eines der oben genannten Kriterien erfüllen, gerade im Bereich Medien, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing.

Ein Beispiel: Ein bekanntes Museum sucht für ein Jahr eine/n Trainee für die Öffentlichkeitsarbeit mit Hochschulabschluss, beispielsweise in Kommunikationswissenschaften, Kulturwissenschaften, Kommunikationsmanagement. Zu den Aufgaben gehört das Unterstützen und Bearbeiten. Die Grundlagen der Pressearbeit würden vermittelt. Über Zukunftsperspektiven wird kein Wort verloren. Die Bezahlung von 1.500 Euro liegt etwa auf Mindestlohn-Höhe und damit weit unter dem Durchschnittsgehalt eines Trainees. Ein Problem, das sich auch bei Ausschreibungen von Volontariaten immer wieder zeigt. 

Um Bewerberinnen und Bewerbern die Orientierung zu erleichtern, wurde 2011 die Initiative „Karrierefördernde und faire Traineeprogramme“ vom Lehrstuhl für Personalwirtschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Jobbörse Absolventa ins Leben gerufen. In Zusammenarbeit mit Unternehmen wurde ein Kriterienkatalog erstellt, der eine Vergleichbarkeit von Traineeprogrammen ermöglicht. Diese „Trainee-Auszeichnung“ ist durchaus ein Qualitätsmerkmal, es zu beantragen kostet inzwischen allerdings Geld – das nicht jedes Unternehmen ausgeben will.

Traineeprogramme sind Netzwerke und werben auch explizit damit. So knüpfen die Trainees persönliche Kontakte quer durch das Unternehmen, wenn sie unterschiedliche Stationen durchlaufen – ein großes Plus für eine künftige Führungskraft. Treffen mit anderen Trainees, Alumni-Veranstaltungen oder auch schon mal Kaminabende mit dem Vorstandsvorsitzenden sind daher feste Bestandteile hochwertiger Traineeprogramme. 

Wenngleich der Direkteinstieg für Absolvent/innen immer noch der klassische Weg in ein Unternehmen darstellt, stellen gemäß Jobtrends-Studie mittlerweile rund die Hälfte der Arbeitnehmer Trainees ein – mit großen Zuwächsen in den vergangenen Jahren. Bei Natur- und auch bei Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen sind es der Studie nach 40 Prozent. An der Befragung beteiligten sich 297 „Unternehmen mit hohem Absolventenbedarf“, die zusammen weltweit mehr als 7,8 Millionen Mitarbeiter beschäftigen. Es geht also eher um die großen Unternehmen – die auch eher Traineeprogramme anbieten als kleinere Firmen.

Traineeprogramme werden laut einer anderen Studie, der „Kienbaum Absolventenstudie 2014/2015“, auch bei Absolventinnen und Absolventen immer beliebter. Rund die Hälfte würde sich lieber auf eine Traineestelle bewerben als den Direkteinstieg zu wählen. Befragt wurden 600 Studierende kurz vor dem Abschluss. 

Ist das Traineeprogramm also der angemessene Berufseinstieg für die jungen Absolvent/tinnen der Generation Y, der Gehalt und unbefristete Verträge nicht so wichtig sind wie kreativer Freiraum, Entwicklungsmöglichkeiten und spannende Aufgaben? Die Aussagekraft der Kienbaum-Studie ist begrenzt. Denn es hängt stark vom Studiengang, der späteren Berufswahl und auch von der eigenen Persönlichkeit ab, ob ein Traineeprogramm Sinn macht.

Gehalt: Wie viel verdienen Trainees? 

Vom Gehalt her liegen die klassischen Traineestellen, etwa die im Bereich Finanzen oder IT, nicht weit von regulären Stellen entfernt. Sie verdienen laut trainee-gefluester.de zehn Prozent weniger als bei einem Direkteinstieg. Die Höhe des Traineegehalts liegt im Durchschnitt zwischen rund 30.000 und 44.000 Euro – je nach Firmengröße und -standort.

Auch der Studienabschluss ist relevant: Absolventen und Absolventinnen der Ingenieurberufe oder ITler/innen bekommen durchschnittlich mehr als Geisteswissenschaftler/innen. Was aber auch an der Branche liegt: Banken und Versicherungen ziehen den Schnitt nach oben, auch in der Energiewirtschaft wird gut bezahlt. Im Marketing und Medienbereich dagegen liegt die Bezahlung eher in Höhe eines Volontariats. Bei einer Übernahme nach Abschluss des Traineeprogramms sollte das Gehalt auf jeden Fall neu verhandelt werden.

Zum Verdienst hinzu können sogenannte Benefits kommen: Dienstwagen, Laptop, vergünstigte Fahrausweise, betriebliche Altersvorsorge, Mitarbeiterrabatte, Gesundheitsangebote. Bei Marketingagenturen sind es dann vielleicht nur, aber immerhin, frisches Obst und ein helles Büro, vielleicht in Berlin...

Jobsuche: Wie finde ich eine Trainee-Stelle?

Die Suche nach einer Traineestelle unterscheidet sich nicht von der üblichen Stellensuche. Man kann über Jobbörsen recherchieren, aber auch auf den Webseiten der Unternehmen oder Institutionen nachschauen. Sein Profil bei größeren Unternehmen oder Stellenbörsen zu hinterlegen kann auch sinnvoll sein. Bei der Auswahl helfen Erfahrungsberichte und Bewertungen auf Portalen wie kununu oder trainee-gefluester. Vielleicht lässt sich auch über Xing Kontakt zu ehemaligen Trainees aufnehmen, um sie zu fragen, wie das Traineeprogramm gelaufen ist, ob sie unterstützt wurden und ob sie immer noch im Unternehmen arbeiten.

Auch im WILA Arbeitsmarkt werden regelmäßig Trainee-Stellen aufgelistet, die zum Beispiel nur in Fachmagazinen oder kleineren Zeitungen abgedruckt werden. Viele Leserinen und Leser nutzen das Heft auch, um nach interessanten Arbeitgebern zu suchen - und dann dort auf der Webseite nach Traineeprogrammen zu recherchieren. Als Bewerberin und Bewerber sollte man sich ein möglichst umfassendes Recherche-Portfolio zulegen. Je größer das Netz, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass man eine spannende und interessante Trainee-Stelle findet. 

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